Bombensuche in Oranienburg

Eine Oranienburger Zeitzeugin 72 Jahre nach dem Bombenangriff

„Es bebte und krachte fürchterlich …ich betete, dass ich zuerst sterben möchte“

Heute vor 72 Jahren war Oranienburg einem schweren Bombenhagel ausgesetzt.  Mehrere Tausend Menschen verloren ihr Leben; die Stadt wurde schwer zerstört. Der Zweite Weltkrieg, der von den Nationalsozialisten mit abscheulicher Gier und Zerstörung ausging, war spätestens jetzt mit all seinem Schrecken in Oranienburg angekommen. Viele Einwohner erinnern sich noch an diesen Tag, an den wir heute mit diesem Zeitzeugenbericht von Inge Risse erinnern wollen.

Zudem findet ab 16 Uhr auf dem städtischen Friedhof ein Gedenken statt, zu dem Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke, Pfarrer Friedemann Humburg und das Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt eingeladen haben.

Der 15. März. 1945

Es war ein schöner sonniger Frühlingstag. Hier und da blühte es schon in den Gärten und sogar einige Obstbäume. Ich war 10 Jahre und ging ausgeschlafen und fröhlich zur Schule, da es in der Nacht keinen Fliegeralarm gab. Ich hatte einen weiten Weg, denn meine Schule am Bahnhof, das heutige Runge-Gymnasium, war mit verwundeten Soldaten und wie ich glaubte auch mit Flüchtlingen belegt. Also musste ich einen weiten Weg von der Waldstraße bis zur Hans-Schemm-Schule, das heutige Luise-Henriette-Gymnasium, gehen. Ich freute mich besonders auf die Englischstunde, die es mit Frau Dr. Studte nie mehr geben sollte.

Es klingelte zum Ende der Pause, als ich auf dem Weg zum Klassenzimmer hörte, wie eine Lehrerin zu einer Anderen sagte, dass alle Kinder, die es weiter als 15 Minuten nach Hause haben, in der Schule bleiben sollten!

„500 Bomber im Anflug auf Oranienburg“

Ich schnappte meine Mappe und rannte so schnell ich konnte nach Haus. Rückblickend betrachtet eine wohl lebensrettende Entscheidung. „Runter von der Straße!“, schrie ein Luftschutzhelfer in Höhe der Bahnüberführung, ich hörte nicht. Völlig außer Atem erzählte ich meiner Mutter was ich gehört hatte. Ich holte meinen Bruder, der damals 2 Jahre alt war, aus dem Mittagschlaf und zog ihn an. Meine Mutter, die mir nicht glaubte und selenruhig weiter Bügelte, schimpfte mit mir: „Lass den Jungen schlafen, die fliegen doch eh wieder nach Berlin!“. Indem heulten auch schon die Sirenen. Ich ging mit Manfred, meinem Bruder, runter in den Hof. Herr Scharf, ein Nachbar, war auch da. Wir beobachten wie ein Flugzeug einen Kondensstreifen am Himmel zog und hörten auch schon das dumpfe brummen der herannahenden Bomber. „Inge, jetzt aber nichts wie in den Keller!“, sagte Herr Scharf. Als meine Mutter in den Keller kam fielen bereits die ersten Bomben. Es bebte und krachte fürchterlich. Durch das Kellerfenster kam Sand und Schutt, ich dachte jetzt sind wir verschüttet und betete inbrünstig, dass ich zuerst sterben möchte, um nicht sehen zu müssen wie mein Bruder oder meine Mutter stirbt!

Kaum hatte es sich etwas beruhigt, als erneut ein Bombenhagel auf uns niederging. So ging es noch einige Male weiter. Vom übernächsten Aufgang kamen Nachbarn und ein Schulkamerad der schluchzte voller Tränen „meine Mutti, meine Mutti“, sie war eingeklemmt und hat es nicht Überlebt.

„Keiner darf hier raus!“, hieß es, auf dem Hof liegt ein Blindgänger, der dann auch bald Explodierte. Nun war der Angriff vorbei.

Wir durften nicht ins Haus. Meine Mutter holte noch Decken und was zu essen, glaube ich. Ganz in der Nähe gab es einen Splittergraben. Die Wände waren mit Brettern verkleidet an denen Sitzgelegenheiten befestigt waren. Die Decke war auch mit Holz verkleidet und mit Sand bedeckt. Hier hausten wir alle, bis wir wieder ins Haus konnten. Ich dachte, „hier sind wir gleich alle tot und können nicht verschüttet werde, wenn die nächsten Bomben fallen.“, meine größte Angst war es nämlich verschüttet zu werden. Mein Vater, der in den AUER Werken arbeitete, war an diesem Tag mit einem blinden Kollegen nach Berlin gefahren um ein Radio abzuholen. Als er gesund nach Hause kam lagen wir uns vor Freude weinend in den Armen, WIR LEBTEN!!!

Inge Risse Oranienburg, den 14.03.2017 

 

Artikel aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 14.11.2015:

 

Bund zahlt für Bombensuche: Jubel bleibt aus

Erstmals seit 1956 beteiligt sich der Bund wieder an den Kosten zur Beseitigung alliierter Kampfmittel. Bis 2019 sollen zusätzlich 60 Millionen Euro bereitgestellt werden. In Brandenburg liegen besonders viele Weltkriegsbomben in Oranienburg und Potsdam. Die Nachricht aus Berlin löst in den Kommunen Freude aus – aber keinen Jubel.

Oranienburg. Die Zusage des Bundes, den Ländern bis zum Jahr 2019 zusätzlich 60 Millionen Euro für die Beseitigung von alliierten Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg bereitzustellen, ist von Brandenburger Landes- und Kommunalpolitikern begrüßt worden. „Es wurde höchste Zeit, dass der Bund seine Mitverantwortung anerkannt hat“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke am Freitag. Vorgesehen sei, dass der Bund bis zu 50 Prozent der Kosten für die Kampfmittelbeseitigung übernimmt. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte die Finanzierung am Donnerstag beschlossen.

In Oranienburg werden 2016 wieder fünf Millionen Euro für die Bombenbeseitigung eingeplant. Zwei Millionen Euro davon kommen aus der Stadtkasse. Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) fordert seit Jahren, dass der Bund sich an den Kosten beteiligt. Deshalb wurde die Nachricht aus Berlin in Oranienburg mit Erleichterung aufgenommen. „Wir freuen uns, aber jubeln können wir nicht“, sagte Sprecherin Susanne Zamecki. Denn wie viel von den Bundes-Millionen tatsächlich in Oranienburg landet, sei noch ungewiss. Zamecki verweist außerdem darauf, dass im kommenden Jahr bundesweit zunächst fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen. „Das könnten wir schon allein gebrauchen. Uns hätte geholfen, wenn wir direkt unterstützt werden.“ 2017 sollen 15 Millionen Euro bereitstehen, 2018 und 2019 je 20 Millionen Euro. Ein positives Echo gibt es auch in Potsdam. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ob die Mittel ausreichen, muss sich aber erst noch zeigen“, sagte Sprecher Jan Brunzlow. Oberhavels Bundestagsabgeordneter Uwe Feiler (CDU) sprach von einem „wichtigen Signal“ für die Menschen in Oranienburg. Er forderte das Land auf, seinen Anteil an den Kosten mindestens auf dem bisherigen Niveau zu halten. Dies sei Voraussetzung für die Förderung. Oranienburgs SPD-Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann nannte die Bundesmittel ein „Zeichen der Solidarität“. Das Land stelle weiter jährlich 11 Millionen Euro bereit.

In Oranienburg wurden seit 1990 mehr als 180 Bomben unschädlich gemacht, darunter 100 Sprengbomben mit gefährlichen Langzeitzündern. Immer wieder werden alliierte Bomben in der Stadt gefunden. Ministerpräsident Woidke: „Dieses unkalkulierbare Risiko stellt eine wachsende Gefahr für Leib und Leben der Menschen dar.“

Von Frank Pawlowski

 

Pressemitteilung

SPD

03.07.2015

Pressemitteilung der SPD Oranienburg

Überparteiliches Handeln bei der Kampfmittelsuche erfordert Sachlichkeit: „Bitte nicht mit fremden Federn schmücken, Herr Feiler!“

Die Verhandlungen über die Einrichtung eines Fonds im Bundeshaushalt, aus dem künftig die Kampfmittelsuche der Länder und Kommunen kofinanziert werden könnte, laufen. Es ist gut, dass sich die Große Koalition im Bund dieses Themas annimmt und dabei sowohl die SPD-Linke- Landesregierung sowie inzwischen auch der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete stark engagieren.
Wollen wir gemeinsam hoffen, dass - nach vielen vergeblichen Anläufen Brandenburgs, die Kampfmittelsuche insgesamt durch den Bund bezahlen zu lassen - nun diese Initiative zumindest zu einer Teilfinanzierung führt.

Es ist also überparteiliches Handeln gefordert und dabei sollte auch niemand versuchen, wider besseres Wissen die Urheberschaft für die jetzt hoffentlich erfolgreiche Lösung für sich zu reklamieren, wie dies jetzt wiederholt der Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler tat. In der RBB Sendung „Brandenburg Aktuell“ vom 2. Juli wiederholte er die Aussage, dass er vor einigen Wochen
den Bombenfonds vorgeschlagen habe. Richtig ist, dass Herr Feiler vor wenigen Wochen seine bisherige Ansicht, dass die Finanzierung künftig über den Bund-Länder-Finanzausgleich geregelt werden müsste, geändert hat und seitdem für den Fonds eintritt. Das ist gut so. Die Idee, nach den erfolglosen Anläufen im Bundesrat auf einen Fonds umzuschwenken, stammt aber aus dem
Oranienburger Rathaus, genau genommen aus dem Büro des Bürgermeisters, wie Herr Feiler in  seiner Pressemitteilung zum Antrittsbesuch dort selbst dokumentiert:

http://www.uwe-feiler.de/index.php?ka=1&ska=2&idn=259

Zitat: „Den Vorschlag von Bürgermeister Laesicke, einen „Fonds zur Beseitigung von Rüstungsaltlasten“ zu gründen, der die betroffenen Städte und Gemeinden zumindest in Teilen finanziell entlastet, will der CDU-Politiker in seinen Gesprächen einbringen.“

Deshalb unsere Bitte an Herrn Feiler: „Weitermachen, aber nicht mit fremden Federn schmücken!“

 

Finanzierung der Bombensuche

Daniel Kurth und Björn Lüttmann zur Beseitigung von Kampfmitteln :

 

Bund muss sich an Bombenräumung stärker beteiligen

 

Potsdam. Oranienburg erinnert an diesem Sonntag (15. März) an den schwersten Bombenangriff auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg vor 70 Jahren und gedenkt der Opfer. Bis heute lagern viele Blindgänger im Boden, wie auch in anderen Orten des Landes. Brandenburg ist das am stärksten mit Kampfmitteln belastete Bundesland. Dazu erklären der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Daniel Kurth, und der Oranienburger SPD-Abgeordnete im Landtag, Björn Lüttmann:

 

 

„Städte wie Oranienburg oder Potsdam waren von den Bombardements deshalb so stark betroffen, weil sie in der Kriegs- und Rüstungsstrategie des Deutschen Reiches eine besondere Bedeutung hatten. Es ist daher höchste Zeit, dass sich der Bund an den Kosten für die Kampfmittelräumung stärker beteiligt und die Kommunen sowie das Land entlastet. Das muss auch gelten, wenn es sich um Bomben der alliierten Streitkräfte handelt, für deren Beseitigung bisher allein die betroffenen Bundesländer aufkommen müssen. Wir unterstützen die Initiative der Landesregierung im Bundesrat, die auf eine faire Kostenaufteilung abzielt. Die umfassende Beseitigung von Blindgängern ist umso wichtiger, als die von ihnen ausgehende Gefahr nicht sinkt, sondern mit der Zeit steigt.“

 

In Brandenburg gelten 360.000 Hektar als mit Kampfmitteln belastet. Seit 1991 hat Brandenburg für die fachgerechte Beseitigung von Munition rund 350 Millionen Euro ausgegeben. In diesem und im nächsten Jahr sind dafür insgesamt knapp 23 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommen erhebliche Mittel der Kommunen, in Oranienburg bis zu zwei Millionen Euro jährlich.

Oranienburger SPD sammelt Geld für Bombenopfer in Lehnitz

Geld für Bombenopfer Auf der Veranstaltung zum 20. Dienstjubiläum von Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke sammelten die Oranienburger Genossen 177 Euro für die Opfer der Bombensprengung in Lehnitz. Das Geld geht an die Sammlung der MAZ. Gemeinsame Sache von MAZ, Stadt und Bürgerstiftung

  • Die MAZ sammelt Spenden auf ein Konto der „Oranienburger Bürgerstiftung“. Und „dockt“ zudem an die Spendenaktion der Stadt „Oranienburger helfen Oranienburgern“ für die Bombenopfer an. An sie wird das Geld zum Schluss übergeben.
  • Eine Jury bei der Stadt mit MAZ-Beteiligung wird über die Vergabe der Spendengelder entscheiden.
  • Alle von der Bombensprengung Geschädigten sollen profitieren.
  • Spenden können ab sofort eingezahlt werden auf das Konto der Oranienburger Bürgerstiftung mit der Nummer 1651500059, BLZ 10090000 der Berliner Volksbank, Verwendungszweck: „Lehnitz-Opfer“.
  • Bis 200 Euro gilt beim Finanzamt der Kontoauszug als Spendenquittung, darüber kann eine Quittung ausgestellt werden. Deshalb bitte Name und Adresse angeben.

Auch beim Lehnitzer Weihnachtsmarkt sammelte die SPD mit

MAZ-Reporter TorstenWeigel mit Rita Kunath, Gerd Baer und Matthias Hennig (v. l.) am Sonnabend auf dem Markt in Lehnitz.

Matthias Hennig von der SPD Oranienburg unterstützte die MAZ tatkräftig beim Sammeln von Spenden für die Bombenofper.

Dank den Sprengmeistern

Sperrkreisvandalen - Drakonische Strafe wichtig

Die Oranienburger SPD dankt den Sprengmeistern für ihren mutigen Einsatz. Wieder einmal wurden zwei Bomben des Weltkrieges unschädlich gemacht. Auch wenn die Arbeit so routiniert aussehen mag, riskieren die Sprengmeister jedes Mal aufs Neue ihr Leben. Umso unverständlicher ist das Verhalten einiger, die den festgelegten Sperrkreis widerrechtlich betreten hatten und damit in unverantwortlicher Weise das Leben der Männer aufs Spiel gesetzt haben. Ich fordere die Stadtverwaltung auf, das Verhalten der „Sperrkreisvandalen“ drakonisch zu ahnden und hohe Bußgelder zu verhängen. Nur so kann Nachahmern das Handwerk gelegt werden.

Dirk Blettermann

Vorsitzender der SPD Oranienburg

Große Öffentlichkeit für die Bombensuche in Oranienburg

aus dem Bericht aus Berlin vom 26.10.2012 von Angelika Krüger-Leißner, MdB Auf Initiative von Tina Fischer, Brandenburgische Staatssekretärin, und mir, fand am Donnerstag in der Landesvertretung Brandenburg eine umfassende Informationrunde für die zahlreich anwesende Presse und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages statt. Es ging um die Beseitigung von Rüstungsaltlasten und deren Finanzierung. Brandenburg und Niedersachsen waren federführend im Bundesrat und haben diesen Gesetzentwurf mit den Stimmen aller Bundesländer eingebracht. Inzwischen ist er im Kabinett beraten worden. Eine Stellungnahme der Regierung liegt vor. Sie ist hanebüchend und verdeutlicht, dass sie die Gefährdung der Menschen und die Notwendigkeit der Unterstützung der Länder bei der Beseitigung der reichseigenen und der alliierten Munition nicht erkannt hat. Minister Dietmar Woidke hat das brandenburger Problem erläutert und die stellv. Bürgermeisterin von Oranienburg, Frau Kausche, die besondere Belastung Oranienburgs geschildert. Prof. Spyra, den wir inzwischen alle kennen, hat die verschärfte Gefahrensituation sehr gut beschrieben. Es ist auch wichtig, dass inzwischen auch andere Länder mit dieser gefährlichen Situation Erfahrung gesammelt haben. Es ist notwendig, hier systematisch die Rüstungsaltlasten zu beseitigen und dafür die neuentwickelte Technik zu nutzen. Sein Ruf nach mehr Tempo und mehr Geld soll nicht ungehört bleiben. Die Länder allein sind mit dieser Aufgabe überfordert. Ich habe mich ganz klar positioniert. Ihr wisst, dass ich seit Jahren auf Seiten Oranienburgs stehe. Für mich zeigt sich der dritte Anlauf aussichtsreicher als vorherigen Bemühungen:

  • 1. Das Gutachten von Professor Spyra zeigt die Zunahmen der Gefährdung deutlich. Die Zunahme von Selbstdetonationen ist nicht auszuschließen und damit die Gefährdung von Menschenleben. Das müssen wir verhindern.
  • 2. Dieses Mal stehen alle Länder zusammen – mit Brandenburg und Niedersachsen an der Spitze. Das hat ein großes Gewicht.
  • 3. Die bisherige gesetzliche Regelung ist überholt. 67 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, ist gemeinsam (Bund und Länder) an der Beseitigung der Altlasten zu arbeiten. Eine neue Kostenregelung ist längst fällig. Hier müssen die Weichen neu gestellt werden.

Fazit der Veranstaltung:

  • 1. Wir haben eine gute Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Auch das Fernsehen war dabei – diesmal auch überregional.
  • 2. Jetzt muss im Bundestag Überzeugungsarbeit geleistet werden. Vor allem die Haushälter sind jetzt gefragt. Peter Danckert will sich dafür einsetzen.

Bombensuche

Artikel aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 27.04.2011: BOMBENSUCHE: Gefahr aus der Tiefe Wo 2011 nach Relikten gefahndet wird / Stadt fordert Landesregelung ORANIENBURG - Gefährliche Bombenfunde, menschenleere Sperrgebiete, die Stadt erschütternde Detonationen – für die Oranienburger und ihre Stadtverwaltung seit Jahren ein Stück „Alltag“. Für Angst, Aufregung und zusätzliche Kosten sorgen die Kriegsrelikte dennoch immer wieder. Zehn sogenannte Räumstellen gibt es aktuell in der Stadt. Dort, wo Straßen im Bau sind oder Bauanträge vorliegen. „2011 bekommt Oranienburg 3,2 Millionen Euro für die Munitionssuche. Das sind 50 Prozent des Gesamtetats für die Kampfmittelsuche im Landeshaushalt. Weitere 600 000 Euro hat das Land am 12. April zugesagt“, so Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm. Was damit in diesem Jahr an weiteren kleinen Schritten hin zu mehr Sicherheit zu stemmen ist, hat die Stadt hochgerechnet: Neben den zehn aktuellen sollen neun weitere Flächen und Objekte per Rasterbohrung unter die Lupe genommen werden. „Dann ist das Geld aufgebraucht“, so Holm.

Vizebürgermeisterin Kerstin Faßmann kritisiert nicht, dass man mit dem Geld nicht weit genug vorankäme. Oranienburg halten die Blindgänger wohl noch Jahre in Atem. Sie ärgert vor allem, „dass es keine Landesregelung für die Bombensuche gibt. Wir wünschen uns, dass geregelt ist, wer sich wie beteiligen muss, ob Eigentümer, Stadt, Kreis, Bund oder Forst“. Wie die Landesmittel verteilt werden bei der Absuche von Grundstücken in den verschiedenen Gefährdungsklassen. „Das kann man doch nicht der Arbeitsebene überlassen“, äußert sie ihr Unverständnis. Deshalb erarbeitet die Stadt jetzt ein Konzept für ihr eigenes weiteres Vorgehen. Kerstin Faßmann geht davon aus, dass die Stadtverordneten im Juni darüber abstimmen. Es ginge dabei darum, „dass die Stadt als Grundstückseigentümer aktiv wird“ und sich vornimmt, in den kommenden Jahren ihre Grundstücke, die in den höchsten Gefährdungsklassen neun und zehn nach dem Spyragutachten liegen, abzusuchen. 2,5 Millionen Euro sind dafür erstmals im Haushalt 2011 vorgesehen. Wie viele Jahre die Suche in Anspruch nehmen wird? „Weniger als zehn“, setzt Kerstin Faßmann als Ziel. Schließlich konzentriere sich die Stadt bei der Suche seit Jahren auf Kitas, Schulen und andere Zentren. Um noch schneller voranzukommen wünsche sie sich zudem ein „Munitionssuchteam“. Es könne das Wissen von Ordnungsamt, Sprengmeistern und Ingenieuren bündeln und ein schnelleres Agieren ermöglichen. Doch auch hier mahlten die Mühlen der Bürokratie beim Land gemächlich. Aktuell beschäftigen die Stadt zwei Verdachtspunkte in der Rhein- und Ruhrstraße. Ob und welche Gefahr dort lauert, das wissen die Sprengmeister am Montag. Abhängig vom Zustand der Zünder entscheiden sie, ob entschärft oder gesprengt wird. Ein Sperrkreis wird dann am 5. Mai wieder zum Alltag der Menschen gehören. (Von Heike Bergt) Munitionssuche 2011 - Aktuelle und geplante Räumstellen Derzeitige Suchbereiche: - Gehweg Stralsunder Straße, - Rungestraße 19 bis 21 (OVG) - Straßenbau Bernauer, - Moselstraße, - Lindenstraße, - Restflächen Autohäuser Saarlandstraße, - Innovationsforum Lehnitzstraße, - Rhein- und Ruhrstraße, - „Rosengarten“ (am LHG), - Schulflächen Mainzer Straße, Mit dem KMBD abgestimmte Projekte, die 2011 begonnen werden sollen: - drei städtische Grundstücke an der Fischerstraße, - Prenzlauer Straße vor Beginn des Straßenbaus, - Robert-Koch-Straße zwischen Berliner Straße und Saarlandstraße. Partiell gibt es keine Munitionsfreigabe. Die Areale befinden sich in den Gefahrenklassen 8 bis 10. - Picanstraße zwischen Bahnbrücke und Lehnitzstraße - „Cluster Lehnitz“ mit 24 Grundstücken, - „Cluster Mannheimer Straße“ mit Anliegern, - OSZ-Gelände, Picanstraße, - Kösener Straße, Schulbau, - Ex-GST-Hafen.

BOMBEN / 60 Minuten mit dem Slowenischen EU-Kommissar

Artikel aus dem Oranienburegr Generalanzeiger vom 14.12.2010

Oberhavel – Das Gespräch in Brüssel dauert eine Stunde. Mehr Zeit hat EU-Umwelt-Kommissar Janez Potocnik am Mittwoch nicht. Im Mittelpunkt des Termins steht Oranienburgs Bombenproblem.

Von Burkhard Keeve

 

Potocnik spricht in seinem Brüsseler Büro mit Oberhavels Landrat Karl-Heinz Schröter (SPD), Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) und Brandenburgs Wissenschaftsstaatssekretär Martin Gorholt (SPD). Als Bombenexperte ist zudem Gutachter Professor Wolfgang Spyra, Inhaber des Lehrstuhls Altlasten an der TU Cottbus, in Brüssel dabei. In die 60 Minuten mit dem Slowenischen EU-Kommissar setzt Oberhavels Landrat viel Hoffnung. Gesprochen wird über Geld und neue Forschungsgebiete. Da es derzeit weder vom Land, noch vom Bund, geschweige denn von der EU Fördertöpfe gibt, aus denen eine derartige Munitionssuche wie in Oranienburg Zuschüsse erhält, setzt Schröter auf andere Ideen. „Beim Durchrosten der Oranienburger Bomben können krebserregende Stoffe ins Grundwasser gelangen“, so Schröter. Deshalb sitzt die Brandenburger Bomben-Delegation auch beim Umwelt-Kommissar. Denn in Brüssel gibt es Fördemechanismen, „die im Einverständis mit EU für diesen Umwelt-Zweck verwendet werden können“, hofft Schröter. Wenn Brüssel hier Geld fließen lässt, so Schröter, könne der Bund nicht zurückstehen. Und noch eine andere Hoffnung treibt Schröter nach Brüssel. Bei Janez Potocnik wollen die Brandenburger Gäste für neue Forschungsprojekte werben, die die EU auflegen könnte, „weil Munitionsaltlasten natürlich auch in anderen Ländern eine Rolle spielen“, so Schröter, wobei der Landrat dabei an Warschau oder aber auch Ex-Jugoslawien denkt. Auch deshalb ist der Bomben-Experte Professor Spyra mit nach Brüssel geflogen. Bereits im Vorfeld hat er sich länderübergreifende Partner aus Polen und Kroatien ins Boot geholt, die Interesse an so einem Forschungsprojekt haben. Eigens für Janez Potocnik hat Spyra eine englische Kurzfassung seines Oranienburger Bomben-Gutachtens erstellt. Beteiligt sich Brüssel, was auch Staatssekretär Gorholt hofft, könnte das „ein renommeträchtiges Projekt für die Brandenburger Technische Universität Cottbus sein“, das europaweit Beachtung finden wird, ist sich Schröter sicher. Oberhavels Landrat sitzt mit breitem Kreuz im Brüsseler Büro. Der Kreis ist kein Bittsteller, der Europa mit leeren Händen um Hilfe anfleht. 10,9 Millionen Euro stehen für die Bombensuche im Kreishaushalt. Der Kreis hat unpopuläre Entscheidungen getroffen, und Busse sowie schwere Laster von besonders gefährdeten Straße der Kreisstadt verbannt.

 

BOMBEN / Oranienburg kann zu einem europäischen Testfall werden

Artikel aus der Märkischen Allgemeinen vom 17.12.2010 BOMBEN:

Testfall Oranienburg

Landrat und Bürgermeister sprachen mit EU-Vertretern über Erforschung neuer Ortungsmethoden

ORANIENBURG - Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen in Antwerpen, Stettin, Warschau oder Oranienburg. Landrat Karl-Heinz Schröter und Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke warben deshalb am Mittwoch in Brüssel vor EU-Vertretern für die Erforschung von alternativen Bombenortungsmethoden. Die Zeit reiche nicht aus, um Oranienburg mit konventionellen Methoden abzusuchen, sagte Schröter: „Oranienburg kann zu einem europäischen Testfall werden, wie Altlasten sich effizienter, sicherer und fast flächendeckend aufspüren lassen.“ Schröter bezeichnete das Gespräch in Brüssel als „sehr fruchtbar“. Beide EU-Vertreter seien für das gut einstündige Gespräch „in exzellenter Weise“ vorbereitet gewesen. Wann und wie ein europäisches Forschungsvorhaben seine Arbeit aufnehmen kann, ist derzeit offen. Zwei Möglichkeiten, die Suche nach alternativen Ortungsmethoden anzuschieben, sind aus Sicht Schröters möglich: auf nationaler Ebene, initiiert vom Innenministerium, oder auf internationaler Ebene, eingebunden in das europäische Forschungsrahmenprogramm. Auch Laesicke äußerte sich nach dem Gespräch in Brüssel zufrieden. „Wir wollten deutlich machen, dass wir ein gesamteuropäisches Problem haben“, sagte Laesicke. „Denn niemand wird in Brüssel eine Lex Oranienburg verabschieden.“ Bereits im Februar soll es ein weiteres Gespräch geben. Bis dahin soll die Suche nach potenziellen Partnern für das Forschungsprojekt vorangetrieben werden. Experten hatten ausgerechnet, dass eine konventionelle Bombensuche in Oranienburg etwa 100 Jahre dauern würde. Die beiden SPD-Politiker hoffen, die Munitionssuche mit alternativen Methoden – etwa mit Bodenradar – schon in 20 Jahren abschließen zu können. Bereits am Dienstag hatte es ein Gespräch im brandenburgischen Innenministerium zu der Bombenproblematik in Oranienburg gegeben. Mit dabei auch Vertreter der Deutschen Bahn. Auch die Bahn, die in den kommenden Jahren Strecken ausbauen will, sei auf alternative Ortungsmethoden angewiesen, sagte Laesicke. Weil unter den Gleisen viele Kabel und Schalteinrichtungen lägen, könnte dort nicht mit den bisherigen Methoden nach Bomben gesucht werden. „Der Metallanteil im Boden ist einfach zu hoch.“ (Von Frauke Herweg)

Bombensuche in Oranienburg

Antwort des Innenministeriums auf unserer Mitgliederversammlung im Juli diskutierten wir mit dem Innenminister über die Bombensuche in Oranienburg. Einige Fragen wurden uns im Nachgang mit dem folgenden Brief beantwortet:

Kommentar

Zum Thema: Busse weichen Bomben aus

Der August ist der Monat, in dem Politik und Medien gern vom Sommerloch reden. Im Landkreis Oberhavel und in der Stadt Oranienburg hat man sich deshalb etwas Besonderes einfallen lassen: Man spielt eben mit der Bombenbelastung meiner Heimatstadt, um das Interesse aufrecht zu erhalten. Der schon jahrelang nachzuvollziehende Streit über die Finanzierung der Belastung Oranienburgs mit dem Ergebnis des zweiten Weltkrieges zwischen Kommunaler -, Landes- und Bundespolitik treibt seltsame Blüten. Ein erst in diesem Jahr öffentlich gemachtes Gutachten von Herrn Prof. Dr.- Ing. W. Spyra aus dem Jahre 2007 lässt die verantwortungslose Terminschleiferei der Verantwortlichen sichtbar werden, die die Kommunalpolitik mit diesem Thema ganz offensichtlich im Regen stehen lässt. Als einen besonderen Höhepunkt verstehe ich den Versuch, die tickenden LLZ-Bomben durch veränderte Linienführung der Oranienburger Buslinien und der damit verbundenen Verringerung von Erschütterungen der gefährdeten Flächen erreichen zu wollen. Abgesehen davon, dass es bedarfsabhängig möglich ist, den Einsatz kleinerer Busse zumindest außerhalb der Spitzenzeiten zu organisieren und die Erschütterungen damit auf Kleintransporterniveau zu reduzieren, ist es dann in der Gesamtheit sicher unsinnig, Liefer- und Versorgungsverkehr in den gefährdeten Gebiete aufrecht erhalten zu müssen. Außerdem wird das Explosionsrisiko damit nicht reduziert, sondern im günstigsten Fall nur unseren Kindern übergeben. Das Wohngebiet mit der höchsten Wohndichte in der Oranienburger Altstadt mit allen Altersgruppen wird von den Linie 804 und 821 befahren. Es wurde in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts errichtet und schon damals nach Bomben abgesucht. Da die damaligen technischen Möglichkeiten und der Kenntnisstand nicht ausreichten, ist bei den Baumaßnahmen seit der Wende an Straßen und Bauwerken in diesem Gebiet die Bombensuche nachweisbar fortgeführt worden. Offene Verdachtspunkte können damit lokalisiert werden und müssen damit doch sicher außerhalb dieser Flächen liegen. Sie können doch damit vorrangig bearbeitet werden. Dass die Bernauer Straße im Zentrum immer noch als bombenbelastet gilt, halte ich für nicht möglich, da zwischen Havel und Bahnbrücke bei der Komplettsanierung doch auch eine Bombensuche durchgeführt wurde, Bahnhofsvorplatz und Stralsunder Straße wurden, bzw. werden zur Zeit einschließlich Bombensuche saniert. Als allerwichtigste Maßnahme sind besonders und wiederum die politisch Verantwortlichen des Bundes und des Landes auf ihre beeideten Pflichten hinzuweisen, dass sie Schaden von deutschen Volk abzuwenden haben, wir Oranienburger gehören nämlich auch zu diesem Volk. Wenn die geplante Streckenänderung ein Mittel dazu ist, wäre damit das Richtige erreicht und eine vorübergehende Minderung der Wohnqualität vertretbar, allein gestatten Sie, mir fehlt der Glaube! Bevor nun im Jahr 2011 der Vorschlag gemacht wird, Oranienburg zu evakuieren, oder Filzlatschen zur weiteren Reduzierung möglicher Erschütterungen zu verkaufen, empfehlen ich dringend, den von Stadtverordneten gemachten Vorschlag aufzugreifen, Mittel verstärkt in die Suche und Entschärfung der Bomben durch wissenschaftlich und technologisch verbesserte Methoden zu investieren. Nebenbei können die damit gewonnenen Erkenntnisse sicher weltweit vermarktet werden. Der, wenn es denn sein muss, erforderliche Erwerb kleinerer Busse für die für unsere Bürger wichtigen Stadtlinien lässt sich mit dem angedeutetem Kostenaufwand von über 800.000 € für die veränderte Linienführung durchaus moderat und sinnvoller abfedern. Oranienburg, am 07.08.2010 Jürgen Jancke Mitglied des Seniorenbeirates Stadt Oranienburg

Diskussion mit Rainer Speer zur Bombenproblematik in Oranienburg

Artikel von www.die-mark-online.de (Oranienburger Generalanzeiger) vom 23.07.2010:

Speer steht zu Oranienburg - Viele offene Fragen nach Bombendebatte

Von Friedhelm Brennecke Oranienburg – Große Überraschungen blieben bei der Mitgliederversammlung der Oranienburger SPD mit Innenminister Rainer Speer (SPD) zur Oranienburger Bombenproblematik am Donnerstagabend im Restaurant „Carollis“ aus. Dennoch gab es am Ende einige offene Fragen.

v.l.: Dirk Blettermann, Dieter Kohllöffel, Rainer Speer, Hans-Joachim Laesicke

Speer bekräftigte, dass er bei dem heiklen Thema an der Seite der Oranienburger stehe, dass er unnötigen Streit um Zuständigkeiten vermeiden möchte und vielmehr wie schon bisher pragmatisch, aber noch effizienter den gefährlichen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs zu Leibe rücken wolle. „Darauf müssen wir gemeinsam alle unsere Kraft verwenden“, so der Minister. Ob er im Falle einer plötzlichen Bombendetonation mit erheblichen Folgeschäden hinter und zu Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) stehe, wollte Speer indes weder klar mit Ja noch mit Nein beantworten, so sehr Dirk Blettermann und Brigitte Kohllöffel auch insistierten. Laesicke sagte, dass die Bombenproblematik ein ganz erheblicher Standortnachteil für Oranienburg sei. Er wünsche sich, dass die Daten über munitionsfreie Flächen ins Geo-Informationssystem (GIS) eingegeben werden. Dabei sei man auf Hilfe des Landes angewiesen. Der Bürgermeister begrüßte zudem zwar die Initiative des Landkreises, für dessen 26 Grundstücke in Oranienburg rund elf Millionen Euro für die Bombensuche einzusetzen. Allerdings könne die Stadt bei rund 2700 eigenen Grundstücken nicht eins zu eins gleichziehen. Oranienburg habe sein Bombenbudget verfünffacht. Jedoch müsse die Stadt künftig eigenes Geld für die Verfüllung von Bombenlöchern ausgeben, so der Bürgermeister. Speer sieht darin kein Problem, „denn das Land will sich verstärkt der eigentlichen Bombensuche widmen“. Notfalls werde er dafür noch mehr Geld lockermachen. Das Tempo gebe indes die Stadt als örtliche Ordnungsbehörde vor, so Speer. Dass die eigentliche Suche und Entschärfung der Blindgänger und die damit verbundenen Evakuierungen in Oranienburg professionell über die Bühne gingen, bestätigte Bernd Jarczewski. Eine Katastrophe sei aber die Phase davor, nicht zuletzt weil der Landkreis Oberhavel seit Jahren seine Bedingungen für Bauherren zur Bombensuche verschärfe oder diese für bereits geräumte Grundstücke erneut fordere. Der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft forderte, mehr Geld für Forschung und Entwicklung neuer Sondierungstechniken auszugeben. Auch das sei ein Weg, ein Mehr an Effizienz und Tempo beim Abbau der gefährlichen Bombenlast zu erreichen. Die herkömmlichen Rasterbohrungen, die meist große Schäden verursachten, seien nicht der Weisheit letzter Schluss. Dass der Bund sich bei der Beseitigung alliierter Munition bisher vornehm zurückhalte, sei ein Unding, so Barbara Apostel. Oranienburg sei nun mal ein besonderer Fall. In keiner Stadt Deutschlands schlummerten so viele Blindgänger mit gefährlichen chemischen Langzeitzündern in der Erde. Land und Stadt dürfte man bei der Entschärfung nicht allein lassen. Allerdings erwarte sie vom Land, dass es gemeinsam mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Krüger-Leißner gegenüber dem Bund initiativ werde, so Barbara Apostel. Diese Position unterstütze mit Nachdruck auch Frank Schwericke, Glienickes SPD-Chef. Speer erteilte einem parlamentarischen Vorstoß indes klar eine Absage. Er wolle versuchen, den Bund auf anderem Wege ins Boot zu holen, ohne aber genau zu sagen wie. Baustadtrat Frank Oltersdorf bat Speer zu prüfen, inwieweit EU-Mittel für die Bombenentschärfung und die Beseitigung damit einhergehender Folgeschäden eingeworben werden könnten. Allein nach der Bombensuche auf Straßen, darunter auch völlig intakten oder sogar nagelneuen, ergäben sich für die Stadt enorme Folgekosten. Stefan Hübner fand es merkwürdig, dass er für ein Bauvorhaben in Lehnitz keine Bombensuche vornehmen müsse. In seinem Fall sollte bereits ein Blick auf die Luftbilder als Freigabe ausreichen. „Das ist ja etwas völlig Neues“, so der Lehnitzer. Nach der Runde mit Minister Speer blieben zahlreiche Fragen offen, neue wurden aufgeworfen. „Eines ist aber klar geworden: Der Minister steht zu Oranienburg und nimmt unsere Sorgen ernst“, so SPD-Ortsvereinschef Dieter Kohllöffel erleichtert.

Anfrage von Angelika Krüger-Leißner

Artikel aus dem Oranienburger Generalanzeiger vom 23.07.2010:

Bund lehnt Sonderfonds zur Bombenproblematik in Oranienburg ab

Oranienburg (bren) – „Der Bund sieht keine Veranlassung, die Staatspraxis zu ändern. Für die Beseitigung von alliierten konventionellen Bomben bleibt es somit bei der Sach- und Finanzierungszuständigkeit der Länder.“ So heißt es in einem Antwortschreiben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf einen entsprechenden Brief der SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Krüger-Leißner. Sie hatte unter Hinweis auf das Spyra-Gutachten und die besondere Gefahrensituation Oranienburgs Schäuble aufgefordert zu prüfen, ob eine Mitfinanzierung durch den Bund, etwa durch einen Sonderfonds, möglich ist. Die Reaktion des Finanzministeriums hält die Abgeordnete für enttäuschend. „Das Schreiben lässt jede Sensibilität für die verschärfte Situation in Oranienburg vermissen. Das hätte ich nach dem Unglück in Göttingen zumindest erwartet“, so Krüger-Leißner. Eine Unterstützung bei der Bombenproblematik durch den Bund mit Sondermitteln sei nötig. Allerdings werde sich der Bund ohne eine Initiative des Landes keinen Zentimeter bewegen, so die SPD-Abgeordnete.

Präsentation von Prof. Spyra

Präsentation von Prof. Spyra zur Bombenproblematik in Oranienburg: Präsentation [5,44 MB]

Einladung an Rainer Speer

Artikel aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 15.06.2010:

BLINDGÄNGER: Genossen wollen reden

Innenminister Speer soll Oranienburger SPD besuchen

ORANIENBURG - In der Oranienburger SPD brodelt es gewaltig. Zu groß ist die Enttäuschung über die mangelnde Unterstützung der Parteigenossen in der Landesregierung beim Thema Bombensuche. Daran konnte auch der Besuch von Innenminister Reiner Speer bei einer Bombensprengung vergangenen Montag nichts ändern. Landrat Karl-Heinz Schröter hatte gegenüber der MAZ von „reiner Symbolik“ gesprochen und gefordert, es könne „nicht beim Händeschütteln bleiben“. Nun will Innenminister Speer die Wogen glätten und noch einmal nach Oranienburg kommen. Er folgt damit einer Einladung des SPD-Ortsvereins, der in einem offenen Brief an den Minister schreibt, dass man die „irritierenden Äußerungen“ von Speer und seinem Ministerium auf einer Mitgliederversammlung leidenschaftlich diskutiert habe. Laut Ortsvereinsvorsitzendem Dieter Kohllöffel soll das Treffen noch im Juli stattfinden. Kohllöffel erhofft sich von Speers Besuch, über „intelligente Lösungen“ zu diskutieren. „Wir wollen ja nicht 50 Millionen Euro vom Land fordern, sondern auch mal darüber reden, ob man Geld für die Forschung im Bereich der Bombensuche ausgeben kann“, sagt Kohllöffel. Klar sei aber, dass Oranienburg nicht vom Land im Stich gelassen werden dürfe. „Wenn Frankfurt an der Oder vom Wasser überflutet ist, dann muss das Land zur Seite stehen. Und wenn Oranienburg von Blindgängern überflutet ist, dann muss das Land auch zur Seite stehen.“ Der Vorsitzende des Oranienburger Bauausschusses, Burkhard Wilde (SPD), kritisiert, dass die derzeit vom Land zugesagten neun Millionen Euro für die Munitionsberäumung im gesamten Land völlig unzureichend seien. „Laut Gutachten brauchen wir 420 Millionen Euro für die Bombensuche in Oranienburg. Da kann man sich ausrechnen, wie lange das dauert.“ Der Oranienburger SPD-Fraktionschef Dirk Blettermann sagt dazu: „Es ist ja nicht so, dass wir nur mit dem Finger auf andere zeigen. Die Stadt und der Kreis gehen doch in Vorleistung.“ (Von Sebastian Meyer) Die Mitgliederversammlung mit Rainer Speer wird am 22.07.2010 statt finden. - - - Originaltext der Einladung: Munitionsbelastung in Oranienburg Lieber Rainer Speer, in Oranienburg liegen vermutlich noch über 300 Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg. Seit 1991 sind 5 Bomben von selbst explodiert. Es gab “nur“ 3 Verletzte. Spätestens seit dem schrecklichen Vorfall in Göttingen ist allen in Oranienburg klar, dass wir auf einem Pulverfass sitzen. Die irritierenden Äußerungen von Dir und aus Deinem Ministerium zu diesem Thema haben wir kürzlich in einer Mitgliederversammlung leidenschaftlich diskutiert. Mit Respekt haben wir zur Kenntnis genommen, dass Du in diesen Tagen hier in Oranienburg anlässlich der Entschärfung eines Zünders vor Ort gewesen bist. Wir laden Dich hiermit zu einer öffentlichen Mitgliederversammlung unseres Ortsvereins ein um das Thema Kampfmittelbeseitigung mit Dir zu diskutieren. Einen Termin stimmen wir über Dein Sekretariat ab. Es grüßen Dich herzlich Dieter Kohllöffel Vorsitzender des Ortsvereins Dirk Blettermann Fraktionsvorsitzender SPD/Grüne Fraktion

Forderung der SPD/Grüne-Fraktion

Artikel aus dem Oranienburger Generalanzeiger vom 12.05.2010:

"Große Politik begreift nicht, dass die Zeitbombe tickt" SPD/Grüne-Fraktion fordert bessere Koordinierung bei der Bombensuche und mehr Geld von Land und Bund bei der Beseitigung der explosiven Altlasten

ORANIENBURG (bren) Panik sein nicht angebracht, wohl aber ein konsequenteres und koordinierteres Handeln zwischen Stadt, Kreis und Land bei der Kampfmittelsuche in Oranienburg. Das finden die Mitglieder der SPD/Grüne-Fraktion Heiner Klemp, Burhard Wilde und Alexander Laesicke. Dramatisch Neues, was in Oranienburg bisher niemand Wusste, ergebe sich zwar aus dem Spyra-Gutachten nicht. Allerdings bringe es für alle anschaulich und klar auf den Punkt, welches enorme Gefährdungspotential hier noch schlummert. Das sei in der Form einmalig in Deutschland. „Diese explosiven Altlasten kann die Stadt allein nicht beseitigen“, sagen Wilde und Alexander Laesicke. Deshalb müsse mitNachdruck gezielt und systematisch in den Innenstadtgebieten mit der höchsten Gefährdungsklasse nach Kampfmitteln gesucht Werden. Dass dies in Kürze auf dem Bahngelände passieren soll, sei überfällig. Allerdings dürfe das Land die Stadt nicht im Regen stehen lassen. Genau dieser Eindruck dränge sich aber auf, wenn Potsdam die Summe der Gelder fiir die Bombensuche auf dem altem Stand einfriere. Damit werde man der explosiven Gefährlichkeit der Bomben mit chemischem Langzeitziinder nicht gerecht. Denn der Zahn der Zeit nage unaufhörlich an den Zündmechanismen der Blindgänger und erhöhe damit zunehmend die Gefahr der Selbstdetonation. „Müssen denn erst Menschen zu Schaden kommen, bevor die große Politik begreift, auf welchem Pulverfass die Oranienburger sitzen?“, fragt Alexander Laesicke in Richtung Land und auch Bund. Heiner Klemp findet es richtig, dass die Stadt ihre Einrichtungen bereits systematisch abgesucht hat. Dass der Landkreis dafür bei seinen Objekten fast elf Millionen Euro bereitstellen will, sei gut. Dass vom Land 2010 für die Bombensuche in Oranienburg vermutlich aber nur rund drei Millionen Euro zu erwarten seien, stehe in keinem Verhältnis zur Gefährdungslage, so Klemp.

 

Bombensuch

Artikel aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 06.05.2010:

Gefahr aus dem Untergrund Bombensuche Kreis stellt 10,9 Millionen Euro bereit / Scharfe Kritik an Speer

Nirgendwo in Deutschland ist die Gefahr durch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg höher als in Oranienburg. Gestern Abend beschlossen die Kreistagsabgeordneten 10,9 Millionen Euro zurückzustellen, um die kreiseigenen Grundstücke in Oranienburg auf Munition absuchen zu lassen. Von Frauke Herweg ORANIENBURG Noch ist das Gutachten der TU Cottbus Verschlusssache. Wenige Details wurden jedoch gestern Abend im Kreistag bekannt. Laut Gutachten, so der SPD-Kreistagsabgeordnete Lutz Michael Tornow, hat Oranienburg in Deutschland „das größte Gefährdungspotenzial“ durch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Pro Kopf der Bevölkerung soll die Stadt die meisten explosiven Altlasten haben. In den kommenden drei Jahren sollen die kreiseigenen Flächen in der Stadt Oranienburg deshalb auf Munition abgesucht werden. Dafür, das beschlossen die Kreistagsabgeordneten gestern, stellt Oberhavel 10, 9 Millionen Euro zurück. Die Mittel sind nicht ausgegebene Gelder aus dem Jahr 2009. Nach der Sommerpause wollen die Verwaltungsmitarbeiter eine Prioritätenliste vorlegen, nach der Munitionsdienste die insgesamt rund 142 000 Quadratmeter absuchen, kündigte Landrat Karl-Heinz Schröter (SPD) an. Für diese Liste soll das 2008 vom brandenburgischen Kampfmittelbeseitigungsdienst in Auftrag gegebene Gutachten eine Art „Matrix“ darstellen. Ungewöhnlich harsch kritisierten die Abgeordneten gestern die Landesregierung. Noch im Dezember hatte es Signale gegeben, den Etat für die Kampfmittelberäumung zu erhöhen. Dem erteilte Innenminister Rainer Speer (SPD) in der vergangenen Woche jedoch eine Absage. Er sei nach diesem Nein immer noch „in Schockstarre“, sagte Schröter. Speer, der das Gutachten kenne, „schlage sich vornehm in die Büsche“ und lasse die Stadt und den Kreis mit der Bombensuche allein. Rund 350 Blindgänger werden noch im Oranienburger Stadtgebiet vermutet. „Die kleinste Erschütterung oder vielleicht einfach nur die Zeit“ bestimmten, wann diese Bomben hochgehen, sagte Tornow. Obwohl das Land zwischen 1996 und 2006 bereits 45 Millionen Euro für die Kampfmittelbeseitigung ausgab, sind erst 5,2 Quadratkilometer des Stadtgebietes geräumt – 16 Prozent der als Verdachtsgebiet eingestuften Fläche. Seit 1990 wurden 119 Blindgänger im Stadtgebiet entschärft oder gesprengt.

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