Geschichte des Ortsvereins

20 Jahre SPD Oranienburg

Am 16. Dezember 1989, vor zwanzig Jahren, hat die Gründungsveranstaltung der Oranienburger SDP, heute SPD, stattgefunden. In einem Presseaufruf, wenige Tage vor der Veranstaltung, in der damaligen Märkischen Volksstimme, richteten die Sprecher der damaligen SDP, Klaus Wendland und Kurt Vetter, folgenden Aufruf: “Die Bevölkerung, die sozialdemokratische Ideale haben, an der Gründungsveranstaltung teilzunehmen.“ Diese Veranstaltung findet am 16. Dezember 1989 um 11 Uhr in der Gaststätte „Erholung“ (Eisbein-Otto) statt.

Gründungsprotokoll der SPD Oranienburg vom 16.12.1989

Aus dem Protokoll der Gründungsversammlung geht u.a. hervor, dass der Ortsverband „zur Zeit die Gemeinden Oranienburg, Lehnitz, Nassenheide Friedrichstahl und Malz umfasst." Die Gründung und die Gründungsurkunde wurden „einstimmig“ angenommen. Gerd Feierbach, Wolfgang Schäfer und Lieselotte Ristau wurde ohne Gegenstimmen als 1. und 2. Sprecher, sowie als Kassenwartin bestätigt. Kreisdelegierte wurden der 1. und 2. Sprecher. Und die Wahl erfolgt für die nächsten zwei Monate.“

Gründungsurkunde der SPD Oranienburg vom 16.12.1989

Der Gründungsurkunde, die von Gerd Feierbach, Wolfgang Schäfer und Lieselotte Ristau unter-zeichnet wurden, konnte man folgende Passagen entnehmen: „Wir fühlen uns den ökologischen, sozialen und demokratischen Grundsätzen verpflichtet, wie sie auch im Statut(...) der SDP in Schwante(...) niedergelegt sind. Entsprechend wollen wir vor Ort und darüber hinaus tätig werden, die Gesellschaft und Struktur unseres Staates zu verändern und neu gestalten. Bei unserer Arbeit sind wir der gesamten SDP in der DDR verbunden. Mit al-len wirklichen demokratischen Kräften unseres Landes suchen wir die Zusammenarbeit, um ein wahrhaft demokratische deutsche Republik aufzubauen. (...) beginnen wir mit sofortiger Wirkung unsere Arbeit.“

Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1990

Mit dem 16. Dezember 1989 begann in Oranienburg wieder die politische Arbeit, die mit sozial-demokratischen Idealen verbunden sind. Nach mehr als 40 Jahren Unterdrückung bewiesen Menschen in Oranienburg und Umgebung den Mut, die sozialdemokratische Hand aus dem kommunistischen SED-Zeichen herauszulösen um fort an, jeder Diktatur ihre Stirn zu zeigen. Den nachfolgenden Generationen muss dieser Mut immer wieder ins Gedächtnis gerufen wer-den, damit Diktatur und Gewalt niemals mehr in Deutschland herrschen darf. Wir danken den Mutigen von damals.    

 

Artikel aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 16.12.2009:

Unterschrift am Küchentisch SPD Oranienburg besteht heute 20 Jahre

ORANIENBURG - Eine andere Partei kam für Liselotte Ristau nie in Frage: „Ich hab das Programm gelesen und gesagt, das ist es“, erinnert sich die Oranienburgerin. Und auch daran, dass nach der Gründung der SDP in Schwante die ersten Mitglieder in Oranienburg bei ihr „am Küchentisch“ eintraten.

Liselotte Ristau

Heute vor 20 Jahren gründete sich offiziell der Ortsverband Oranienburg der SDP, heute SPD. Wenige Tage zuvor hatten Klaus Wendland und Kurt Vetter in der damaligen „Märkischen Volksstimme“ dazu aufgerufen, dass diejenigen „die soziale Ideale haben, an der Gründungsveranstaltung teilnehmen“ sollten. Bei Eisbein-Otto waren es dann am 16. Dezember 1989 insgesamt 23 Frauen und Männer, die den Ortsverband aus der Taufe hoben. Unterschrieben ist die Gründungsurkunde von Gerd Feierbach und Wolfgang Schäfer als erstem und zweitem Sprecher sowie Liselotte Ristau als Kassenwart. „Wir fühlen uns den ökologischen, sozialen und demokratischen Grundsätzen verpflichtet, wie sie auch im Statut ... der SDP in Schwante ... niedergelegt sind. Bei unserer Arbeit sind wir der gesamten SDP in der DDR verbunden“, steht in der Gründungsurkunde zu lesen. Die hütet seit etwa zehn Jahren Dirk Blettermann wie seinen Augapfel. 1991 aus Berlin nach Oranienburg gekommen, wurde er 1994 Ortsvorsitzender. Mittlerweile ist er seit acht Jahren SPD-Fraktionschef, jetzt zusammen mit den Grünen, in der Stadtverordnetenversammlung. Heute Abend ab 18.30 Uhr treffen sich die Sozialdemokraten zur Feierstunde. Natürlich bei „Eisbein-Otto“. 15 der Gründungsmitglieder werden dort geehrt. Nur die Hälfte von ihnen ist heute noch in der SPD. Insgesamt zählt die Ortsgruppe derzeit rund 100 Mitglieder. Liselotte Ristau macht bis heute Kommunalpolitik. Mit einer Unterbrechung von fünf Jahren ist sie Mitglied der Fraktion im Stadtparlament. Für „ihre“ SPD auf Bundesebene wünscht sie sich, „dass sie wieder zu einer sozialdemokratischen Politik zurückfindet. Wieder Partei des kleines Mannes ist.“ Keinerlei Verständnis hat sie für die rot-rote Regierung in Potsdam. Da habe sie erstmals über Austritt nachgedacht. Und sich’s dann doch überlegt: „Hinschmeißen ist leicht. Zu helfen, es besser zu machen, ist besser“, findet sie (. hb)

 


 

Artikel aus der Märkische Allgemeinen Zeitung vom 25.07.2015:

Vor 85 Jahren: SPD Lehnitz gegründet

 

Der Beginn der 1930er Jahre war geprägt vom sozialen Elend, in das die Weltwirtschaftkrise viele Menschen gestoßen hatte. Die erste parlamentarische Demokratie der Deutschen besaß zahlreiche Gegner. Politische Auseinandersetzungen fanden nicht selten mit Gewalt auf der Straße statt.

In dieser bewegten Zeit trafen sich am 2. Juni 1930 zehn Anhänger der SPD im Lehnitzer Restaurant Waldschloss in der Dianastraße (die Gaststätte wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört) zur Gründung einer Ortsgruppe. Um 20.30 Uhr eröffnete ein Parteisekretär aus Berlin die Versammlung. Für die künftigen Mitglieder und Mitgliederinnen referierte er über Richtlinien und Ziele der SPD. Im Ergebnis der sich anschließenden Wahlen wurden Alfred Goldschmidt zum 1. Vorsitzenden und Emil ­Goetze zum Stellvertreter gewählt.

Über die Motive der wenigen Anwesenden, sich der Sozialdemokratie anzuschließen und kommunalpolitische Arbeit zu leisten, kann man nur spekulieren. Der Eintritt in die SPD stellte zugleich ein öffentliches Bekenntnis zur parlamentarischen Demokratie dar. Sicherlich spielten auch die Aktivitäten der NSDAP im Ort eine Rolle, der man nicht widerstandslos das Feld überlassen wollte. Bereits 1929 hatte sich eine Ortsgruppe der NSDAP gebildet. Hans Hinkel, einem ihrer wortgewaltigsten Mitglieder, war es gelungen, sich zum Vorsitzenden des überparteilichen Lehnitzer Ortsvereins wählen zu lassen. Der Ortsverein besaß bis 1933 großen Einfluss im Gemeindeparlament. Nur wenige Tage nach der Gründung der SPD-Gruppe hielt jener Vorsitzende in einer Veranstaltung eine Rede: „SPD - die Partei des Arbeiterverrates.“ Bei den Landtagswahlen im November 1929 hatte die NSDAP in Lehnitz die meisten Stimmen erhalten. Die Bedingungen für eine sozialdemokratische Einflussnahme und Kommunalpolitik waren für die junge Ortsgruppe also nicht einfach.Mit ihrem Vorsitzenden Goldschmidt besaß sie jedoch einen erfahrenen Kommu­nalpolitiker, der schon einige ­Jahre im Gemeindeparlament wirkte.

Erst im Februar 1931 trat die Ortsgruppe im Restaurant Lehnitz-See am Gutsplatz (heute das griechische Restaurant) mit einer öffentlichen Versammlung vor die Lehnitzer Bevölkerung. In diesen Monaten der politischen Auseinandersetzungen und Polarisierung fanden politische Veranstaltungen einen großen Zulauf. Bereits vor Beginn musste die Versammlung wegen Überfüllung polizeilich gesperrt werden. Auch eine Gruppe Nationalsozialisten gehörte zu den Anwesenden, die sich lautstark mit dem Thema des Referats, NSDAP - die Maske runter, auseinandersetzten. Goldschmidt schloss die Zusammenkunft mit einem dreifachen Hoch auf die SPD.

Der Ortsgruppe sollten nur knapp zwei Jahre verbleiben, um Kommunalpolitik zu praktizieren und als Sozialdemokraten aufzutreten. An wichtigen Gedenktagen jener Zeit, wie dem Volkstrauertag am 1. März 1931, sprach daher auch der Sozialdemokrat Erich Werst anlässlich der offiziellen Kranzniederlegung vor dem Kriegerdenkmal im Ort. Werst gehörte zugleich der Lehnitzer Gruppe des republikanischen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold an. Doch die nationalistische Propaganda und soziale Demagogie der Nationalsozialisten blieb bei den Lehnitzern nicht ohne Einfluss. Dagegen wollten die Lehnitzer Sozialdemokraten in ihren ­öffentlichen Versammlungen antreten. Ein Berliner Polizeimajor referierte im September 1931 über das Thema „Die Republik - und ihre Feinde“.

Auch für Lehnitzer Bürger verschärfte sich die soziale Situation Anfang 1932. Von den ca. 600 Einwohnern erhielten 30 Arbeitslosenunterstützung, sechs eine so genannte Krisenfürsorge. Mehrheitlich lebten die Lehnitzer jedoch nicht in einer sozialen Notlage. Im Vorfeld der Reichspräsidentenwahlen, April 1932, gab es im Restaurant Lehnitz-See eine Wahlveranstaltung, die der frühere sozialdemokratische Reichsarbeitsminister Rudolf Wissell (1869 bis 1962) mit einer Rede einleitete. Diese und noch weitere Bemühungen der SPD-Gruppe konnten den Wahltrend in Lehnitz nicht umkehren: Seit 1929 bekam die NSDAP hier die meisten Stimmen; so auch im Wahljahr 1932.

Am 18. Januar 1933, nur wenige Tage vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wählten die SPD-Mitglieder in der Gaststätte Seebad Lehnitz (heute Friedrich-Wolf-Straße 54) einen neuen Vorstand. Karl Wilhelm wurde Vorsitzender, Martin Teller sein Stellvertreter. Elf Lehnitzer Sozialdemokraten ließen sich in der letzten öffentlich stattfindenden Versammlung (ebenfalls im Seebad Lehnitz am 16. Februar) für die Gemeindevertretung auf die Kandidatenliste ihrer Partei setzen. An erster Stelle Alfred Goldschmidt, es folgten Otto Cunjahn und Erich Werst. Dafür bedurfte es zu diesem Zeitpunkt schon erheblicher ­Zivilcourage. In den Wochen vor den Reichs- und Landtagswahlen am 5. März führten die NSDAP und ihre Hilfsorganisationen, insbesondere die SA, einen Wahlkampf, bestehend aus Gewalt, Einschüchterung und Demagogie. So meldete der Briesetal-Bote das Verbot einer SPD-Wahlkundgebung durch den Landrat (26. Februar) und eine Hausdurchsuchung, bei dem in Lehnitz am Gutsplatz wohnenden niederländischen Schriftsteller und Journalisten Nico Rost. Hier wollte man „mehrere Zentner“ kommunistische Flugblätter gefunden haben. Zum Terror kam nationalistische Demagogie. Vor dem Wahltag veranstaltete die NSDAP eine Kundgebung am Kriegerdenkmal in Lehnitz. Hier, an dieser für die Lehnitzer jener Zeit wichtigen Erinnerungsstätte, inszenierten die Nazis eine „Heldengedächtnisfeier“, in die sie auch gleich die Toten ihrer Bewegung nach 1919 einbezogen. Anschließend traf man sich zum Hören einer „Führerrede“ im Café Hildebrandt in der Florastraße, dem Versammlungslokal der NSDAP, das in makabrer Weise auch Wahllokal für die am nächsten Tag stattfindenden Wahlen war. Die NSDAP konnte ihren Stimmenanteil gegenüber den Wahlen im Vorjahr weiter ausbauen.

Am darauffolgenden Sonntag, dem Volkstrauertag, fanden die Kommunalwahlen statt. Wieder missbrauchten die Nazis das Kriegerdenkmal für ihren Wahlkampf. Nach der offiziellen Kranzniederlegung stand am Denkmal eine NSDAP-Wache den ganzen Tag. Zusätzlich erhellten zwei Leuchtfeuer den Platz in den Abendstunden. Die Wahlen brachten zwar einen erheblichen Stimmenzuwachs für die NSDAP, jedoch war sie auf die Zusammenarbeit mit einer der beiden Listenverbindungen angewiesen. Für die SPD konnte nur Alfred Goldschmidt in das Gemeindeparlament ziehen, das bald diesen Namen nicht mehr verdienen sollte. Bis zur Konstituierung der Volksvertretungen setzte die NSDAP nun wieder auf staatlich sanktionierten Terror. Sozialdemokraten, Kommunisten und andere Gegner wurden verhaftet und in die entstehenden Konzentrationslager verschleppt. Ein Kommando der Landjägerei und Hilfspolizeibeamte (zumeist SA-Angehörige) wirkten auch in Lehnitz. Die Verhafteten, darunter zwei Sozialdemokraten, wurden in das Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert. Von ihnen ist bis heute nur der Sozialdemokrat Martin Teller namentlich bekannt.

Den zunehmend propagandistisch gefärbten Berichten des Briesetal-Boten kann man entnehmen, dass die ersten Gemeindevertretersitzungen mehr NSDAP-Veranstaltungen ähnelten. Alfred Goldschmidt blieb den ersten Sitzungen fern. Als er am 7.Mai zur ersten Arbeitssitzung erschien, hatte sich das Kräfteverhältnis auch im Lehnitzer Ortsparlament grundlegend verändert. Zu den drei Vertretern der NSDAP-Fraktion gesellten sich noch zwei Abgeordnete einer Listenverbindung. Damit besaß die NSDAP mit fünf Stimmen auch rechnerisch die Mehrheit im neunköpfigen Gemeindeparlament. Alfred Goldschmidt musste die Auflösung der SPD-Ortsgruppe bekanntgeben. Als Interessenvertreter der Bürger wolle er jedoch weiter in der Gemeindevertretung wirken, schickte er hinterher.

Dass Goldschmidt seinen Mut noch nicht verlorenhatte, bewies er noch am selben Abend. Als einziger Abgeordneter stimmte Goldschmidt gegen den Kauf eines Hitlerbildes mit der Begründung: „Die Anbringung des Hitlerbildes entspricht nicht jedermanns Meinung; ferner weiß man auch nicht, wie lange die jetzige Regierung im Amt bleibt!“

Mit dem gesetzmäßig verordneten SPD-Verbot im Juni 1933 schlossen die Lehnitzer Abgeordneten Alfred Goldschmidt aus dem Gemeindeparlament aus. Nach fast drei Jahren waren damit sozialdemokratische und demokratische Geschichte in Lehnitz dauerhaft beendet. 1935 meldete ein Bericht des emigrierten sozialdemokratischen Parteivorstandes in Prag (SOPADE): „Anfang April wird der frühere Sozialdemokrat und Reichsbannerführer Werst, Lehnitz bei Oranienburg, durch Kopfschuss getötet.“

Bodo Becker


Artikel aus der Märkischen Allgemeinen vom 30.10.2012:

„Herrentagsparty“ mit Folgen Albert Garlipp gründete die Oranienburger SPD

ORANIENBURG Im Alter von 89 Jahren verstarb am 29. Oktober 1962 der Gründungsvater der Oranienburger Sozialdemokraten, Albert Garlipp. Er gehörte zu jener Arbeitergeneration, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Ziel gesetzt hatte, die politische Landschaft in der kaisertreuen Stadt zu verändern. Die Reichstagswahlen von 1898 hatten dazu bereits ein Achtungszeichen gesetzt, denn die Mehrheit der Wähler von Oranienburg gab ihre Stimme den sozialdemokratischen Kandidaten. Grundlage war das Dreiklassensystem, das eine Drittelung der Wähler nach dem Steueraufkommen vornahm. In Oranienburg besaßen danach nur 447 Personen das Wahlrecht, während etwa 2000 Männer ab 24 Jahren nicht wählen durften, weil sie unter 900 Mark im Jahr verdienten. Frauen besaßen kein Wahlrecht. Um das zu ändern, organisierte Albert Garlipp mit Sympathisanten eine als „Herrentagsparty“ getarnte Veranstaltung. Der 13. Mai 1900 war Himmelfahrtstag. Etwa 100 Männer waren der Einladung in die Gaststätte Schumann im Ortsteil Sandhausen (heute Straße der Einheit) gefolgt. Gefeiert wurde die Gründung eines Sozialdemokratischen Wahlvereins, zu dessen Vorsitzenden der 27-jährige Tischler Albert Garlipp gewählt wurde. Wer bereit war mitzuarbeiten, erhielt ein Mitgliedsbuch. Albert Garlipps Mitgliedsbuch erhielt die Nummer 1. Im November desselben Jahres wurde der Wahlverein in eine SPD-Ortsgruppe umgebildet. Albert Garlipp konnte nicht nur gut reden, sondern auch gut singen. Als 1903 in Oranienburg ein Arbeiter-Gesang-Verein gegründet wurde, übernahm er auch die Leitung. Noch besaßen die Sozialdemokraten keinen Abgeordneten im Stadtparlament, das änderte sich bei den Stadtverordnetenwahlen 1908. Mit großer Mehrheit wurde Garlipp als erster Sozialdemokrat ins Stadtparlament gewählt. Vier Jahre später erhöhte sich die Anzahl der SPD-Abgeordneten auf zwei mit dem Maurer Friedrich Kaatz aus der Havelstraße. Garlipp war Zeit seines Lebens ein entschiedener Kriegsgegner, so mobilisierte er am 10. Mai 1914 Hunderte Jugendliche für einen Protestausflug. Am 1. Mai 1915 wehten aus Protest gegen den Krieg rote Fahnen vor dem Parteilokal in der Schützenstraße 34. In den Tagen der Novemberrevolution 1918 wählten ihn die Arbeiter von Oranienburg zum Mitglied des Arbeiterrates. Eine ihrer Forderungen war die Beseitigung des Wohnungselends. Auf Vorschlag von Garlipp und Kaatz beschloss der Magistrat die Gründung einer Kleinwohnhausbaugenossenschaft. Bis Ende 1924 wurden 93 Wohnungen „Am Anger“ errichtet, in denen mehr als 500 Menschen wohnten. Albert Garlipp gehörte zu den Gründungsmitgliedern, lebte selbst dort. 1924 schied er als Stadtverordneter aus, seine Partei hatte bei den Wahlen fünf Sitze erhalten. Er widmete sich nunmehr der Tätigkeit als Geschäftsführer der Wohnhaus-Baugenossenschaft „Am Anger“. Nach Kriegsende 1945 gehörte er zu den Neugründern der SPD in Oranienburg. habi

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