Bildungsbeschluss: Öffentliche Schulen stärken!

Veröffentlicht am 20.02.2012 in Bildung

Beschluss der SPD Oranienburg vom 26.1.2012

Öffentliche Schulen stärken!

Beschluss:

Die SPD Oranienburg fordert die Brandenburger Landesregierung auf, die gespannte personelle Lage an mehreren öffentlichen Oranienburger Grundschulen anzuerkennen und sofort Maßnahmen zur Besserung zu unternehmen. Dazu ist insbesondere eine Aufstockung des pädagogischen Personals an den Schulen notwendig. Darüber hinaus sollten zügig enge Abstimmungen zwischen dem Bildungsministerium, dem Schulamt, der Stadtverwaltung sowie den Lehrern der betroffenen Schulen stattfinden. Auch die notwendigen räumlichen Anpassungen sollen dann diskutiert werden.
Nicht zuletzt sollte es eine offene und ehrliche Kommunikation aller Beteiligten mit den Eltern geben, die mangelnde Bildungschancen für ihre Kinder sehen und sich deshalb um die Zukunft der Kinder sorgen.

Wir rufen die Landesregierung auf, insgesamt noch mehr finanzielle Mittel in die Bildung der Jüngsten zu investieren!

Begründung:

Gemäß dem Koalitionsvertrag von SPD und Linkspartei im Land Brandenburg genießt die Bildung einen hohen Stellenwert in unserem Land. Dies wird schon dadurch betont, dass das Thema an erster Stelle behandelt wird, gleich nach der Präambel. Im Text heißt es: „Im Zeitalter des Wissens hängt die Zukunft unseres Gemeinwesens von nichts anderem so sehr ab wie von den Fähigkeiten und Kenntnissen seiner Menschen. Gute Bildung darf deshalb so wenig wie irgend möglich von sozialer oder regionaler Herkunft abhängen.“ und: „Wir schlagen den Weg zu verstärkter individueller Förderung und zu längerem gemeinsamen Lernen ein.“

Zumindest an einigen Schulen Oranienburgs ist zu beobachten, dass die oben genannten Ziele nicht nur gefährdet sind, sondern dass sie teilweise gar nicht erreicht werden können.

Der erste und aktuell in der Öffentlichkeit Oranienburgs am leidenschaftlichsten diskutierte Fall ist der der Grundschule Lehnitz in Oranienburg: In der 1. Klasse wird dort aktuell mit 28 Kindern gearbeitet, in der aktuellen 2. Klasse mit 32 Kindern. Die Einschülerzahlen für die Grundschule Lehnitz, die sich aus der aktuellen Schulbezirkssatzung der Stadt Oranienburg ergeben, betragen nach derzeitigem Stand 31 Kinder. Bei solchen Klassengrößen ist eine individuelle Förderung – insbesondere bei nur einer anwesenden Lehrkraft – nicht möglich. Die Leidtragenden sind vor allem die Kinder aus schwierigeren sozialen Verhältnissen, deren Eltern nicht in der Lage sind, die versäumten Lehrinhalte zu Hause nachzuarbeiten. Eine solche Situation ist nicht mit unserem sozialdemokratischen Verständnis vereinbar!

Zweites Beispiel: Die Waldschule auf der gegenüberliegenden Seite des Lehnitzsees wurde gerade durch die Stadt Oranienburg für einen zweizügigen Unterricht ausgebaut und unterrichtet seit einem Jahr nach dem Flex-Konzept. Die Stadt Oranienburg hat größte Anstrengungen unternommen, um einen attraktiven und modernen Schulstandort zu schaffen. Im Hinblick auf die Herausforderungen des Flex-Konzeptes ist neben einer guten materiellen Ausstattung auch eine großzügige Ausstattung mit Personal notwendig. Die derzeitigen Flex-Klassen sind aber mit 29 bis 30 Kindern überbelegt, bei zu wenig Personal. Die Folgen sind klar: erhebliche Belastung der Lehrkräfte, was nicht selten zu Krankmeldungen wegen der permanenten Überforderung führt. Dadurch verschärft sich wiederum die Situation für die verbleibenden Lehrkräfte.

Die aktuelle Situation lässt sich so zusammenfassen:

Die Eltern an den öffentlichen Schulen verzweifeln an den Klassenstärken, der mangelnden individuellen Förderung und der Überlastung der Lehrer, welcher auch zum Unterrichtsausfall führt.

Wegen dieser gravierenden Defizite staatlicher Schulen sehen sich immer mehr Eltern gezwungen, Schulgeld für Schulen in privater Trägerschaft – oft unter erheblicher finanzieller Belastung – aufzubringen, und sich so kleinere Klassen und bessere Lernbedingungen zu erkaufen.
Diese Eltern haben nun – auf Grund der Diskussion um Kürzungen bei den freien Schulen – aktuell Sorge, dass sie künftig noch höhere Schulgebühren zahlen müssen oder ihre Schule gar komplett schließt.

Die Stadt Oranienburg als Träger der öffentlichen Grundschulen hat in den letzten Jahren massiv in die Renovierung und den Ausbau der städtischen Schulen investiert. Doch eine schöne Hülle nutzt nichts, wenn nicht ausreichend Lehrpersonal vorhanden ist, um die Bildungsinhalte zu vermitteln.

Letzten Endes sind sowohl die Eltern mit Kindern in überfüllten „öffentlichen Schulen“ sowie auch die Eltern in kostenpflichtigen „freien Schulen“ mit der derzeitigen Situation unzufrieden und ihre Wut richtet sich gegen unsere seit der Wende sozialdemokratisch geführte Landesregierung.

Im Sinne der SPD-Vision „Brandenburg 2030“ und insbesondere im Hinblick auf unsere Pläne zur „inklusiven Bildung“, welche dann noch mehr Personal in den Schulen erforderlich machen werden, müssen wir deshalb Perspektiven entwickeln für gut ausgestattete Schulen, die endlich das halten, was wir den Menschen versprechen.

 

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