Matthias Platzeck in Oranienburg

Veröffentlicht am 12.09.2009 in Wahlen

„Gerechtigkeit muss spürbar sein!“

Gut gefüllt war der Schlossplatz in Oranienburg, als Matthias Platzeck vor über 450 Besuchern auf seiner heutigen Wahlkampfkundgebung die Aufbauleistungen in Oranienburg eindrücklich schilderte: „Früher ist man an Oranienburg achtlos vorbeigefahren und fragte sich, was man dort eigentlich solle. Heute würde sich das keiner mehr trauen - und das nicht erst seit der LAGA. Manchmal muss ich mich zu Hause schon fast dafür rechtfertigen, das ich schon wieder in diese Stadt komme.“


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Daran anknüpfend forderte Platzeck, dass im 20. Jahr der friedlichen Revolution weniger darüber gesprochen werden solle, ob die DDR ein Unrechtsstaat sei oder nicht – diese Frage sei vor 20 Jahren eindeutig beantwortet worden – sondern vielmehr die Aufbauleistungen herausgestellt werden sollten, die die Ostdeutschen zusammen mit den nach Brandenburg gezogenen Westdeutschen geschaffen haben. Darauf können die Ostdeutschen stolz sein und das könne dann auch zu einem starken Signal für die Deutsche Einheit werden.

Mit diesen Aufbauleistungen stelle sich aber auch die Frage der Gerechtigkeit. Hier habe sich in manchen Bereichen eine Lebensmentalität entwickelt, der man entgegentreten müsse. Die Mentalität „Geiz ist geil“ dürfe nicht zum Lebensmotto einer ganzen Gesellschaft werden. Ordentliche Arbeit gehöre auch ordentlich entlohnt: „Wenn heute ein Liter Milch billiger ist als ein Liter Wasser, dann läuft etwas schief bei uns. Davon kann kein Bauer ein auskömmliches Leben bestreiten.“

Damit gute Arbeit zukünftig auch gerechter entlohnt wird, wird in der nächsten Legislatur die SPD dafür sorgen, öffentliche Aufträge nur noch an Firmen vergeben werden, die ihren Arbeitnehmern auch Tariflöhne zahlen. „Gerechtigkeit muss spürbar werden. Und die öffentliche Hand muss da mit gutem Beispiel voran gehen“, unterstrich der Ministerpräsident vor den 450 Zuhörern.

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Artikel aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 12.09.2009:

WAHLKAMPF: Der rote Bayer

Ministerpräsident Platzeck am Schlossplatz vor 300 Leuten / Rechte Störer

ORANIENBURG - Vielleicht liegt es daran, dass er den Menschen, denen er begegnet, immer kurz die Schulter drückt. Vielleicht auch daran, dass er einen Zwei-Tage-Bart trägt, der gepflegt, aber doch leger wirkt. So, als habe jemand etwas Salz und Pfeffer über sein Gesicht gestreut. Wahrscheinlich liegt es aber einfach daran, dass Matthias Platzeck ein sehr guter Redner ist. Und so das Vertrauen der Leute gewinnt.

So auch gestern am Oranienburger Schlossplatz. Vor 300 Leuten spannte er einen weiten Bogen. Vom Mauerfall über die Finanzkrise bis zu den Wahlen. Dabei enthielt seine Rede alles, was das Lehrbuch verlangt. Einstimmung, Analyse und Konklusion. Da wurde anfangs Oranienburg und damit auch ihr SPD-Bürgermeister dafür gelobt, dass die Stadt endlich ein Gesicht bekommen habe. Dann umriss Platzeck kurz die Probleme des Landes, verglich die Finanzwelt mit einem Fußballspiel, in dem die Regeln abgeschafft worden seien, klagte über Dumpinglöhne und versprach einen Mindestlohn von 7,50 Euro. Den meisten Applaus bekam Platzeck, als er nach einer Störung von NPD-Anhängern rief, ein nazifreies Parlament sei sein wichtigstes Wahlziel. Große Zustimmung auch für seine Aufforderung, im Jahr 20 des Mauerfalls nicht immer nur über die Stasi zu reden, sondern nach vorne zu blicken. Dazu gehöre auch ein Würdigung von DDR-Einrichtungen wie Polykliniken, Gemeindeschwestern oder Ganztagesschulen. „Wir feiern nicht 60 Jahre DDR, sonder 20 Jahre Aufbau“, sagte Platzeck.

Von den Brandenburgern wünscht er sich eine ähnliche Mir-san-Mir-Mentalität, wie sie die Bayern auszeichne. Da brauchte er nicht einmal erwähnen, dass die politischen Verhältnisse in der Mark ohnehin schon in manchen Punkten an Bayern erinnern. Die SPD regiert seit 19 Jahren, Platzeck bekäme bei einer Direktwahl 74 Prozent. Die Mark – wie Bayern, nur rot und ohne Lederhose. (Von Sebastian Meyer)

 

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