Kommentar

Veröffentlicht am 10.08.2010 in Allgemein

Zum Thema: Busse weichen Bomben aus

Der August ist der Monat, in dem Politik und Medien gern vom Sommerloch reden. Im Landkreis Oberhavel und in der Stadt Oranienburg hat man sich deshalb etwas Besonderes einfallen lassen: Man spielt eben mit der Bombenbelastung meiner Heimatstadt, um das Interesse aufrecht zu erhalten.
Der schon jahrelang nachzuvollziehende Streit über die Finanzierung der Belastung Oranienburgs mit dem Ergebnis des zweiten Weltkrieges zwischen Kommunaler -, Landes- und Bundespolitik treibt seltsame Blüten.
Ein erst in diesem Jahr öffentlich gemachtes Gutachten von Herrn Prof. Dr.- Ing. W. Spyra aus dem Jahre 2007 lässt die verantwortungslose Terminschleiferei der Verantwortlichen sichtbar werden, die die Kommunalpolitik mit diesem Thema ganz offensichtlich im Regen stehen lässt.

Als einen besonderen Höhepunkt verstehe ich den Versuch, die tickenden LLZ-Bomben durch veränderte Linienführung der Oranienburger Buslinien und der damit verbundenen Verringerung von Erschütterungen der gefährdeten Flächen erreichen zu wollen. Abgesehen davon, dass es bedarfsabhängig möglich ist, den Einsatz kleinerer Busse zumindest außerhalb der Spitzenzeiten zu organisieren und die Erschütterungen damit auf Kleintransporterniveau zu reduzieren, ist es dann in der Gesamtheit sicher unsinnig, Liefer- und Versorgungsverkehr in den gefährdeten Gebiete aufrecht erhalten zu müssen. Außerdem wird das Explosionsrisiko damit nicht reduziert, sondern im günstigsten Fall nur unseren Kindern übergeben.

Das Wohngebiet mit der höchsten Wohndichte in der Oranienburger Altstadt mit allen Altersgruppen wird von den Linie 804 und 821 befahren. Es wurde in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts errichtet und schon damals nach Bomben abgesucht. Da die damaligen technischen Möglichkeiten und der Kenntnisstand nicht ausreichten, ist bei den Baumaßnahmen seit der Wende an Straßen und Bauwerken in diesem Gebiet die Bombensuche nachweisbar fortgeführt worden. Offene Verdachtspunkte können damit lokalisiert werden und müssen damit doch sicher außerhalb dieser Flächen liegen. Sie können doch damit vorrangig bearbeitet werden.

Dass die Bernauer Straße im Zentrum immer noch als bombenbelastet gilt, halte ich für nicht möglich, da zwischen Havel und Bahnbrücke bei der Komplettsanierung doch auch eine Bombensuche durchgeführt wurde, Bahnhofsvorplatz und Stralsunder Straße wurden, bzw. werden zur Zeit einschließlich Bombensuche saniert.

Als allerwichtigste Maßnahme sind besonders und wiederum die politisch Verantwortlichen des Bundes und des Landes auf ihre beeideten Pflichten hinzuweisen, dass sie Schaden von deutschen Volk abzuwenden haben, wir Oranienburger gehören nämlich auch zu diesem Volk. Wenn die geplante Streckenänderung ein Mittel dazu ist, wäre damit das Richtige erreicht und eine vorübergehende Minderung der Wohnqualität vertretbar, allein gestatten Sie, mir fehlt der Glaube!

Bevor nun im Jahr 2011 der Vorschlag gemacht wird, Oranienburg zu evakuieren, oder Filzlatschen zur weiteren Reduzierung möglicher Erschütterungen zu verkaufen, empfehlen ich dringend, den von Stadtverordneten gemachten Vorschlag aufzugreifen, Mittel verstärkt in die Suche und Entschärfung der Bomben durch wissenschaftlich und technologisch verbesserte Methoden zu investieren. Nebenbei können die damit gewonnenen Erkenntnisse sicher weltweit vermarktet werden.
Der, wenn es denn sein muss, erforderliche Erwerb kleinerer Busse für die für unsere Bürger wichtigen Stadtlinien lässt sich mit dem angedeutetem Kostenaufwand von über 800.000 € für die veränderte Linienführung durchaus moderat und sinnvoller abfedern.

Oranienburg, am 07.08.2010

Jürgen Jancke
Mitglied des Seniorenbeirates
Stadt Oranienburg

 

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