Interview mit Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke

Veröffentlicht am 09.05.2008 in Allgemein

Artikel aus dem Oranienburger Generalanzeiger vom 3./4.05.2008:

„Nicht die Rosinen herausgepickt“

Gespräch mit Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke: Wasserproblem beschäftigt Oberhavels Rathauschefs

ORANIENBURG Die Laga 2009 bestimmt derzeit das Geschehen in Oranienburg. Es gibt aber auch noch andere Themen, die die Stadt und deren Bürger bewegen. Über einige dieser Punkte sprach Redakteur Friedhelm Brennecke mit Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD).

Keine LAGA-Stadt war ein Jahr vor Eröffnung der Blumenschau mit den baulichen Vorbereitungen so weit wie Oranienburg. Doch nun ist Ihnen zu Ende April mit Volker Schwarz derjenige Verantwortliche verloren gegangen, der für Bespielung der 117 Laga-Tage sorgen sollte. Gibt es schon einen Nachfolger?

Laesicke: Wir haben kein Personalproblem mit dem Ausscheiden von Volker Schwarz bei der Laga gGmbH. Konzeptionell steht das Programm weitgehend und unser Mann für Veranstaltungen ist dort jetzt der bewährte Gerhard Suppus.

Schwarz ist erst Anfang des Jahres zur Laga gGmbH gewechselt ursprünglich war er als Werkleiter für den Eigenbetrieb Stadtmarketing und Kultur Oranienburg (ESKO) von Ihnen engagiert worden, um insbesondere das Stadtmarketing voranzubringen. Die Stelle ist noch immer vakant. Wie soll es mit dem Stadtmarketing und dem ESKO weitergehen?

Laesicke: Ich selbst bin derzeit Werkleiter des ESKO. Die Planungen, Programme und Veranstaltungen für dieses Jahr stehen, der Betrieb ist also voll arbeitsfähig. Im kommenden Jahr haben wir uns darauf verständigt, dass der Veranstaltungspart sinnvoller Weise von der Laga gGmbH wahrgenommen wird. Das Stadtmarketing ist derzeit Chefsache. Dabei werden wir aber im Rahmen des Insek-Prozesses (Integrierte Stadtentwicklung) und des Stadtmanagements Oranienburg 2010 vom Büro complan und der Werbeagentur Runze & Casper unterstützt. Mit dem Slogan „Oranienburg ist anders" ist ja bereits eine Image-Kampagne verbunden, die über die Zeit der Laga hinausweist.
Einige Leistungsträger sind derzeit zur Laga gGmbH abgeordnet Bis sie nach 2009 wieder in die Verwaltung zurückkehren, wird zu entscheiden sein, wer von ihnen dann welche Aufgaben übernehmen kann.

Personell ist die Stadt derzeit auch bei ihrem anderen Eigenbetrieb, dem Entwässerungsbetrieb Oranienburg (EBO), ohne Leiter, nachdem Igor Vogel gekündigt worden ist. Beim EBO stehen zahlreiche grundsätzliche Entscheidungen an. Sollen die nun ohne neuen Werkleiter vorbereitet werden oder sind ohnehin ganz andere Strukturen geplant?

Laesicke: In der Zuständigkeit meiner Stellvertreterin, Kerstin Faßmann, werden mit externer Hilfe derzeit wichtige Sachentscheidungen für den EBO vorbreitet. Auch der Werksausschuss wurde dabei einbezogen. Mit Holger Knoll ist vorübergehend ein altgedienter Stadtwerke-Mann Werkleiter. Das scheint mir eine ganz gute Zwischenlösung zu sein. Wir wollen diesen Bereich künftig aber enger an die Verwaltung binden. Denn in der Vergangenheit sind hier Fehler gemacht worden, die oft durch Informationsdefizite entstanden waren. Personell wird hier erst nach 2009 entschieden, wer für diesen Bereich die Verantwortung übernehmen wird.

Zur Zeit ist Holger Knoll, der technische Geschäftsführer der Stadtservice Oranienburg GmbH (SOG), der Interims-Werkleiter des EBO. Doch bei der SOG stehen mit dem Umbau der Tennis- zur Eventhalle wichtige Aufgaben an. Zudem will die SOG sich offenbar weitere Standbeine schaffen, etwa eine sportorientierte Kita. Darf man unter diesen Umständen einen SOG-Geschäftsführer mit sachfremden Aufgaben betrauen, die nicht zum, Kerngeschäft der SOG gehören?' Oder soll sich die SOG künftig sowieso wieder vom reinen Kerngeschäft lösen?

Laesicke: Nach der Entschuldung der SOG und dem neuen Unternehmenskonzept sind dort die wichtigsten Hausaufgaben erledigt, so dass Herr Knoll sicher vorübergehend den EBO leiten kann. Im Übrigen freue ich mich, dass wir mit Andreas Leuschner und Holger Knoll zwei Geschäftsführer bei der SOG haben, die auf der Höhe der Zeit sind. Sie haben Ideen, wie das Unternehmen in Zeiten sich wandelnden Freizeitverhaltens umgebaut werden kann, um letztlich profitabler zu werden. Der Bau der Eventhalle ist ein erster Schritt.
Für die sportorientierte Kita „Falkennest" habe ich große Sympathie, weil Kindern dort ein optimales Bewegungs- und Sportangebot garantiert werden kann. Außerdem sind sportliche Kinder die Kunden der Turm-Erlebniscity von morgen.

Nachdem sich bis vor kurzem ein Ende der Eiszeit, also das Aus für das Eiszelt, abzeichnete, scheint es nun hinter den Kulissen wieder Bewegung zu geben. Besteht noch eine ernsthafte Chance, dass Oranienburg doch eine Eishalle bekommt?

Laesicke: Es gibt das grundsätzliche Interesse eines Investors. Doch bisher hat er uns kein überzeugendes Konzept vorgelegt. Für uns ist aber, klar, dass wir hier kein Provisorium durch ein anderes ersetzen wollen. Eine massive Eishalle, die kein Lärmproblem verursacht, energetisch sparsam betrieben werden kann und außerdem zum Qualitätsniveau der Türm-Erlebniscity passt, könnte ich mir vorstellen. Allerdings müsste sich das Land dazu genau positionieren, wie es ein solches Vorhaben sowohl hinsichtlich des Baus als auch bei den laufenden Kosten unterstützen kann und will. Die Stadt und die SOG können hier jedenfalls nicht - wie in der Vergangenheit - die, Berlin-Brandenburgischen Eishockeyligen subventionieren.

Für 1,12 Millionen Euro wollen die Stadtwerke die Trinkwasserleitung des früheren TAZ-Malz. von der Stadt kaufen, die seinerzeit viel Geld aufbringen musste, um den maroden Zweckverband zu sanieren. Der Ortsbeirat Malz fordert jetzt einen Teil des Erlöses für Maßnahmen im Ortsteil. Von Peter Schüler aus Friedrichsthal kommt nun der Vorwurf, dass kommunales Eigentum nicht gesetzestreu verwaltet oder sogar vertan werde. Wie stehen Sie dazu?

Laesicke: Wir sind seit fast fünf Jahren eine Stadt. Da kann es nicht ständig um,
Mein und Dein gehen. Bei der Übernahme des maroden TAZ-Malz haben wir uns nicht die Rosinen herausgepickt, sondern mit den anderen Rechtsnachfolgern Löwenberger Land und Liebenwalde alles, also auch die Schulden übernommen. Wer jetzt mit einer Erbsenzählerei beginnt, ist nicht gut beraten.
Außerdem sollten jene, die in Sachen TAZ-Malz nun wirklich im Glashaus sitzen, weil sie nicht unerheblich zu dessen Misere beigetragen haben, nicht mit Steinen werfen. Zudem wird in der Stadt ernsthaft darüber nachgedacht, wie die Abwasserentsorgung in Friedrichsthai und Malz ökologisch und ökonomisch sinnvoller geregelt werden kann. Auch das wird wieder viel Geld kosten.

In einigen Gegenden von Oranienburg gibt es ganz erhebliche Probleme durch Schichtenwasser, das wegen der unnatürlich heftigen Niederschläge dieses Frühjahrs für überflutete Keller und Grundstücke sorgt. Kann und wie kann die Stadt den Betroffenen gegebenenfalls helfen?

Laesicke: Hier gibt es neben den ausgesprochen massiven Niederschlägen in diesem Jahr eine Vielfalt von Ursachen, wie etwa einfach zugeschüttete Gräben, vernachlässigte Entwässerungsleitungen, zu viel versiegelte Flächen und nicht zuletzt falsche Bebauungsentscheidungen in der Nachwendezeit. Ich habe mir in der Stadt und den Ortsteilen zusammen mit Tiefbauamtsleiter Stephan Bernard einige neuralgische Punkte angesehen. In manchen Fällen haben die Stadt und der Wasser- und Bodenverband schon die größte Not lindern können. Aber es gibt hier keine allgemein verbindliche und keine rasche Patenlösung.
Die Bürgermeister in Oberhavel werden auf ihrer nächsten Zusammenkunft am 7. Mai auf Initiative von Peter Müller (Legebruch) und mir das Problem der Überschwemmungen mit Fachleuten erörtern und nach Wegen such, wie “Land unter“ künftig vermieden oder wenigstens besser kanalisiert werden kann. Das wird aber sicher ein längerer Prozess, der uns über Jahre beschäftigen wird.

Rund um das Schloss wird sich im Vorfeld der Landesgartenschau noch so einiges tun. Auch neue gastronomische Angebote sollen dazukommen. Wie steht es in diesem Zusammenhang um das Blumenthalsche Haus und den früheren Ratskeller?

Laesicke: Das „Castello“ im Blumenthalschen Haus wird voraussichtlich im Juni eröffnen, wie mir der Wirt erst kürzlich sagte. Das wird ganz bestimmt ein tolles Lokal mit Blick in den Schlosspark und auf den neuen Schlossplatz. Ähnliches gilt natürlich für den Ratskeller im Schloss, den „Lieschen“-Wirt ThomasRathsack voraussichtlich Anfang 2009 eröffnen wird.

Sehen Sie noch Chancen für Chinatown auf dem ehemaligen Flugplatz am westlichen Rand der Stadt?

Laesicke: Auch nach einem weiteren Gespräch mit den Projektentwicklern, die weiterhin optimistisch sind, halte ich das Vorhaben für erledigt. Die, Brandenburgische Bodengesellschaft (BBG) hat nach dem ewigen Hinhalten wohl ebenfalls keine Hoffnung mehr. Dennoch war die Diskussion um Chinatown ein Gewinn für Oranienburg.
Denn unsere Stadt stand deswegen wochenlang im internationalen Interesse. Eine bessere und dazu kostenlose weltweite Werbung hätten wir uns gar nicht wünschen können. Oranienburg hat sich damit für Investoren aus aller Welt, selbst mit einem derart unkonventionellen Vorhaben wie Chinatown, als toller Wirtschaftsstandort empfohlen.

Sie hatten kürzlich die Stelle eines persönlichen Referenten ausgeschrieben. Wer wird diesen Job wann übernehmen?

Laesicke: Es gab an die 60 Bewerbungen für diese Stelle. 27 Frauen und Männer nahmen bereits an Eignungstests teil. Vorstellungsgespräche wird es jetzt im Mal geben.
Ich hoffe, dass wir die Stelle Mitte des Jähres mit der besten Bewerberin und oder dem besten Bewerber werden besetzen können.

 

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