Interview mit SPD-Bürgermeister Laesicke zur Stadtentwicklung

Veröffentlicht am 27.03.2012 in Kommunalpolitik

Fast zwei Jahrzehnte führen Sie inzwischen als Bürgermeister die Stadt Oranienburg. Aus dem einstigen Schmuddelkind ist eine aufstrebende, vorzeigbare Stadt geworden, deren dynamische Veränderung viele verblüfft. Worin sehen Sie die Ursachen für diesen Wandel?

Seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 haben sich für die Stadtentwicklung Chancen eröffnet, die sich zunächst aus den wiederbelebten kurzen Wegen zur alten und neuen deutschen Hauptstadt ergeben. Wir haben das erkannt und zunächst einen Schwerpunkt auf die Verbesserung der verkehrlichen Infrastruktur von und nach Berlin gelegt. Heute sind die Schienen- und Wasserwege und die B 96neu die wichtigsten Lebensadern unserer Stadt. Eine weitere Herkulesaufgabe war der Aufbau eines modernen Ver- und Entsorgungsnetzes durch unsere kommunalen Gesellschaften.

Das war nicht nur wichtig für den Umweltschutz sondern auch für Neubürger, die in zunehmendem Maße die Qualitäten Oranienburgs für sich als attraktiven Wohnort erkennen, und ansiedlungswillige Unternehmen, die insbesondere die Berlinnähe, die günstigen Grundstückspreise, eine kompetente, hilfsbereite Verwaltung und eine aufgeschlossene, wohlwollende Kommunalpolitik zu schätzen gelernt haben.

Mit der erfolgreichen Bewerbung um die LAGA 2009 ist es gelungen, einen Entwicklungsschub zu erreichen, der das Image Oranienburgs deutlich positiv beeinflusst hat. Wie soll die erfolgreiche Stadtentwicklung fortgesetzt werden?

Mit der Wiederbelebung des barocken Stadtgrundrisses, mit der Rückverlagerung der Schlossbrücke, dem Bau der Nehringstraße und der Havelpromenade sowie der Beseitigung der Militärbrache am Schloss und die damit verbundene Anlage des Parks und Schlossplatzes, haben wir den städtebaulichen Rahmen für die weitere Entwicklung des historischen Stadtzentrums gesteckt. Die sanierten und neu gebauten Häuser zwischen Schloss und ehemaligem Waisenhaus sind wichtige Maßstäbe für die weitere Bebauung, die jetzt auf der Tagesordnung steht. In der Breiten Straße hat der Umbau der früheren „Broiler Bar“ begonnen, neben der Augenklinik wird ein weiterer zweigliedriger Neubau entstehen.
Stolz bin ich darauf, dass unser Bemühen und unser Image bei den Fördermittelverantwortlichen in Potsdam dazu geführt hat, dass wir weitere Millionen nach Oranienburg holen konnten, um eine neue Stadtbibliothek und eine moderne Touristeninformation, die mit einer Galerie verbunden werden soll, errichten zu können.
Bei der heißen, mitunter nicht immer sachlichen Diskussion um die Gestaltung des Neubaus ist die Freude darüber, dass wir zu den wenigen Städten im Land gehören, die sich über eine solche Investition freuen können, leider etwas zu kurz gekommen. Ich bin sicher, dass dieses Gebäude auch städtebaulich eine Bereicherung sein wird. Die Nutzer der Stadtbibliothek und die wachsende Zahl der Touristen wird sich ohnehin über die damit verbundene Angebotsverbesserung freuen.
Auch wenn ich es verstehe, dass es vielen am Herzen liegt, dass der Schlossplatz attraktiv gestaltet wird, verstehe ich nicht das Misstrauen Einiger in die Verantwortlichen der Stadt. Schließlich waren die vergangenen 20 Jahre eher von der Beseitigung von Bausünden und städtebaulicher Aufwertung geprägt als von Fehlentwicklungen.

Seit Jahren träumen die Oranienburger von einem attraktiven innerstädtischen Einkaufscenter. Besteht die Chance, dass dieser Traum in absehbarer Zeit Wirklichkeit wird?

Mit dem Ankauf und Abriss der ehemaligen Staatsbank und dem Erwerb weiterer Grundstücke konnten wir die Verfügungsbefugnis über die gesamte Fläche zwischen Breiter und Berliner Straße in städtische Hand bekommen. Mit dem Imagewandel, den Oranienburg seit der LAGA erlebt, war auch ein wachsendes Interesse von privaten Investoren verbunden, die sich mit der Errichtung und Betreibung innerstädtischer Einkaufscentren befassen. Unter den verschiedenen Interessenten haben wir die niederländische Firma TenBrinke ausgewählt, die unter allen Bewerbern die überzeugendste Konzeption unterbreitet hat. Nachdem der städtebauliche Vertrag, in dem die gegenseitigen Rechte und Pflichten vereinbart wurden, zwischen Stadt Oranienburg und privatem Investor abgeschlossen wurde, wird nun der Bebauungsplan zum Abschluss gebracht.
Parallel dazu findet das Verfahren um die architektonische Gestaltung, die Lösung des Parkplatzproblems und Entwicklung des optimalen Verkehrskonzeptes statt.
Da Pkw-Stellplätze nicht nur für die Kunden des Einkaufscentrums gebraucht werden, wofür dessen Investor zu sorgen hat, sondern auch für andere Besucher der Innenstadt, bemühen wir uns gegenwärtig um den Ankauf von privaten Grundstücken zwischen Berliner und Nehringstraße, um dort ein städtisches Parkhaus zu errichten.

Was sind weitere Schwerpunkte in der nächsten Zeit?

Seit Jahren ist es erklärtes Ziel der Stadtentwicklung, Familienfreundlichkeit in den Vordergrund zu stellen. Dazu gehören der Neubau eines Eltern-Kind-Zentrums,die Verbesserung der Einkaufsmöglichkeiten und eine moderne Stadtbibliothek in eigenen Räumen.
Außerdem wird bis zum Sommer nächsten Jahres für etwa 14 Mio. Euro, leider ohne Fördermittel sondern nur aus dem städtischen Haushalt, der Neubau der Comenius-Grundschule hinter dem Südcenter errichtet.
Im Ortsteil Germendorf entsteht ein neues Hortgebäude und in Friedrichsthal wird der Kindergarten durch einen Erweiterungsbau vergrößert.
Für Zehlendorf hoffen wir aus dem Leader-Programm Fördermittel für die notwendige Sanierung des Kindergartens zu bekommen.
Daneben werden durch die Bombensuche und die Erneuerung der Lehnitzstraße und mehrerer Straßen in der Mittelstadt erhebliche Kräfte und Gelder gebunden.

 

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