Oranienburg zeigt Herz

Veröffentlicht am 03.03.2016 in Allgemein

Rede des Bürgermeisters der Stadt Oranienburg zur Demonstration am 26.02.21016

 

Auszug aus dem Grundgesetz:

 

„I. Die Grundrechte

 

Artikel 1

 

(1)  Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

 

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“

 

 

Die Würde jedes Menschen ist unantastbar.

Keine Differenzierung zwischen:

  • Christen, Juden, Moslems, Atheisten

  • Frauen, Männern, Kindern

  • Deutschen und Nichtdeutschen

 

 

Auch dafür bin ich mit vielen anderen im Herbst 1989 auf die Straße gegangen.

Auch dafür engagieren sich viele Menschen in unserem Land und in unserer Stadt Tag für Tag aufs Neue.

 

Der Kampf für eine menschenwürdige Welt ist der Kampf für die Erfüllung eines Menschheitstraums, einer Utopie für die sich nicht nur Träumer, Idealisten und Gutmenschen seit Menschengedenken im christlichen Abendland sondern in der ganzen Welt engagieren. Die Bewahrung der Menschenwürde wie auch die der Freiheit, müssen ständig neu erobert und verteidigt werden.

Wer dies nicht tut, wird beides verlieren. Zahlreiche Menschen haben aber diesen ewigen Kampf für Menschenrechte und eine gerechtere Gesellschaft mit ihrem Leben bezahlt. Unzählige starben dafür auch im KZ Sachsenhausen.

Das dürfen wir niemals vergessen.

 

Deshalb engagieren wir uns auch mit Leidenschaft dafür, dass das was uns wichtig ist und was unsere Bundesrepublik Deutschland ausmacht, nicht von Demokratiefeinden, Brandstiftern und Menschenverächtern zunichte gemacht wird.

Deshalb ist es auch nicht zu dulden, wenn Menschen aus Kriegsgebieten, die bei uns Schutz suchen, angefeindet, verängstigt und angegriffen werden.

Wir dulden es auch nicht, wenn Gebäude, die mit unserem Geld zu Notunterkünften für Flüchtlinge umgebaut wurden, von fremdenfeindlichen Brandstiftern angezündet und vernichtet werden.

 

Wir dulden es aber ebenso wenig, dass Christen in Flüchtlingsheimen als Ungläubige von Anderen unterdrückt werden, dass die im Grundgesetz garantierte Gleichbehandlung von Frau und Mann in unserer Gesellschaft missachtet wird und an deren Stelle überkommene, antiquierte Geschlechterrollen wieder Platz greifen sollen. Deutschland ist keine patriarchische Gesellschaft!

 

Gegen alle diesbezüglichen Bestrebungen werden wir Widerstand leisten.

Wir wenden uns entschieden gegen die Diskriminierung von Homosexuellen, die in Deutschland endlich dabei sind, einen gleichberechtigten Platz in unserer Gesellschaft zu finden. Wir dulden ebenso wenig Antisemitismus gegenüber jüdischen Mitbürgern, die in Deutschland nie wieder Verfolgung, Unterdrückung oder Todesgefahr ausgesetzt werden dürfen. Dies gilt ebenso für alle anderen Menschen, die ihren Glauben in unserem Land leben wollen. Bei uns soll auch künftig jeder nach seiner Fasson selig werden können.

 

Deswegen sagen wir allen, die diese Errungenschaften und Werte unserer Gesellschaft ablehnen oder nicht respektieren, dass „Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!“ sowohl heute als auch künftig die unantastbare Basis unserer Überzeugungen bilden werden. Wer auch immer diese Grundlage verletzt, muss schnell und konsequent eine Reaktion unseres Rechtsstaates erfahren. Unsere freiheitlich – demokratische Gesellschaft liegt uns zu sehr am Herzen, als dass wir tatenlos zusehen werden, wenn ihr Bestand durch Fundamentalisten und Menschenverächter gefährdet wird.

 

Gerade deshalb danke ich allen, die Solidarität und Nächstenliebe gegenüber denjenigen, die unsere Hilfe bitter nötig haben, ausüben, um ihnen den Weg in unsere Gemeinschaft zu ebenen.

 

Ich erwarte aber auch von unserer Bundesregierung, dass sie endlich alle Anstrengungen unternimmt, um diejenigen, die sich aufopfern um zu helfen und die sich redlich um Bedürftige bemühen, nicht länger allein zu lassen, sondern mit gleichem Engagement endlich das Steuerrad in die Hand zu nehmen, um die Fahrt in die Zukunft nicht mit Schiffbruch zu beenden.

Auch dafür wollen wir heute demonstrieren!

 

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