Schulaktion gegen Rechts

Veröffentlicht am 20.04.2008 in Allgemein

Am 13. März 2008 gestalteten die SPD Oranienburg und die Jusos Oberhavel gemeinsam eine Schulaktion gegen Rechts an der Torhorst Gesamtschule.

Die 140 Schüler der 9. Klassen erarbeiteten zuerst mit vier Dozenten in kleinen Gruppen Teilaspekte zum Thema Rechtsextremismus. Anschließend sprach Matthias Adrian, ein Aussteiger aus der rechten Szene, über seine Erfahrungen...

Artikel aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 14.03.2008:

Ex-Neonazi erzählt Neuntklässlern über seine braune Karriere

ORANIENBURG - Das Unheil begann im Partykeller der Familie. Nach dem dritten Glas Bier ließ der Onkel mal wieder Rommels Panzer durch Afrika rollen. Und Opa schwärmte von den U-Booten. „Danach grölten alle Wehrmachtslieder“, erinnert sich Matthias Adrian.

Als kleiner Junge hört er begeistert zu. Sein Interesse ist geweckt. Aus dem Knirps wird schnell ein aktives Mitglied bei den Jungen Nationaldemokraten. Von 1997 bis 2000 war Matthias Adrian aus Bürstadt in Hessen dort aktiv.

Heute arbeitet er für die Organisation Exit, die Aussteiger aus der rechten Szene berät. Im Rahmen des Schulprojekts gegen Rechtsextremismus der Jusos Oberhavel und des SPD-Ortsvereins Oranienburg sprach er gestern im Oranienburger Bürgerzentrum über seine braune Karriere.

Im Saal sitzen lauter Schüler der Torhorstschule, vornehmlich Neuntklässler. Dagmar Jurat, die dort unter anderem Geschichte unterrichtet, hat das Projekt koordiniert.

Adrian erzählt mit lauter Stimme. Lebhaft, locker, mitunter witzig. Zunächst räumt er mit den üblichen Neonazi-Klischees auf. Osten, Plattenbau, ungebildet, schwere Kindheit, Vater Säufer. Das alles trifft auf ihn nicht zu.

Verharmlosende Abenteuergeschichten reichen manchmal aus. Natürlich seien seine Verwandten keine Braune gewesen, erklärt er. Sie hätten im Zuge des Wiederaufbaus vieles verdrängt. Opa, wie war denn das damals? Holocaust, Auschwitz? Ach, Bub.

Der Zwölfjährige wird restlos infiziert, als er ein Exemplar der National Zeitung in die Finger bekommt. Die prangert die vermeintliche Umerziehung der Deutschen an. Medien und Lehrer betrieben mit ihrer Darstellung des Dritten Reiches eine Gehirnwäsche. Adrian fühlt sich bestätigt. Er verfasst Flugblätter, fliegt von der Schule, trifft NPD-Funktionäre. Dann steigt er aus. „Ich hatte die Schnauze voll von Glatzen, Spinnern und Kriminellen“, sagt der 32-Jährige.

Zuvor stand für die 140 Neuntklässler Gruppenarbeit an. Vier Dozenten machten sie mit dem Rechtsextremismus vertraut. Robert Merz steigt über Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in das Thema ein. Kein Land könne sich völlig abschotten, sagt der Soziologe.

Nadine Heymann von dem Projekt „Culture on the Road“ zeigt Karten mit Fotos und Symbolen. Thor Steinar erkennen fast alle. Doch zunehmend heben sich Rechte äußerlich kaum noch von anderen Jugendlichen ab, wie ein anderes Bild beweist. Es zeigt eine bekannten Szenegröße. Mit Che-Guevara-Shirt und Palästinensertuch. (Von Fritz Hermann Köser)

 

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